Das zweite Leben des Pappsatt

Das Triefauge hatte den TÜV nicht mehr bestanden, ich brauchte ein neues Auto. Aber ich hatte ja noch 2 Wagen rumstehen. Den TL und den Pappsatt – wieso eigentlich den nicht reaktivieren? Ach ja – der Versager war am Sack, zudem der Endtopf durch, aber sonst? Ich beschloß, den Wagen einfach so, wie er war, stumpf zum TÜV zu fahren. Ich hatte ja mal angefangen, den Wagen zu lackieren, wenn Ihr die Berichte von den Autotreffen gesehen habt, habt Ihr vielleicht ne Grundahnung, wie ich auf die bescheuerten Farben gekommen bin – das war damals einfach in.

VW Passat 32B Formel E 1982

Der Wagen brauchte einen neuen Brief, da er länger als 2 Jahre abgemeldet war. So war das damals eben. Untersuchung nach ?21. Natürlich schaffte er weder HU noch ASU. Ich ließ mir eine Mängelliste schreiben und ging damit zu einer freien Werkstatt und lies die Liste abarbeiten. Endtopf, ein Bremsschlauch, Schwellerenden schweißen und ASU hinmogeln.

Bis auf die ASU wär das mit meinen heutigen Möglichkeiten Kinderkacke gewesen, das selbst zu erledigen. Aber ich bin eben ein Spätentwickler 😉

Frisch repariert ging?s wieder zum TÜV. Ich brauchte den Wagen abends für einen DJ Job, aber schnell zum TÜV und dann zur Zulassungsstelle – das war kein Thema. Wenn ich nicht einen anderen Prüfer bekommen hätte, als den Mängellistenschreiber.

VW Pappsatt

Der Prüfer hakte Punkt für Punkt der Mängelliste an und meinte dann, das wäre ja ein altes Auto, da wolle er nochmals das Fahrwerk checken. Wie jetzt? Das hatte doch der Kollege schon… Er fand auch etwas. Ich weiß garnicht mehr sicher, ob Querlenker, Spurstangenkopf – irgendetwas in der Art. Nö, so nimmt er das nicht ab. Schockschwerenot. Ich brauchte das Auto an dem Tag. Es war irgendwie 10 Uhr vormittags. Um 12 Uhr machte die Zulassungsstelle zu. Nun hieß es Gas geben! Wenn jemand das so schnell reparieren kann, dann ein VW Händler, der könnte die Teile dahaben. Mit Vollgas durch Mainz – wenn da ein Blitzer gestanden wäre – nicht auszudenken. Aber ich hatte es etwas eilig.
Ich kannte 3 VW Händler in Mainz – klar, daß erst der dritte Zeit hatte und die Teile vorrätig. Und sie hatten Verständniß für meine Situation – was ein Glück! Schnell repariert und wieder mit Vollgas zum TÜV. Klar, daß da jetzt ne Riesenschlange stand. Zum Prüfer gehechtet, der lies mich vor, nahm die Reparatur ab. Meine Nerven. Aber man kann die noch weiter strapazieren. Das machte dann die Tante beim TÜV, die den neuen Brief schreiben mußte. U-Kat eintragen, wo schreibt man das hin? AHHHGRRRLLLL! Ist das eigentlich Notwehr, wenn man in der Situation der Dame einen leichten Schlag auf den Hinterkopp gibt?

Die Zulassungsstelle in Mainz Gonsenheim ist direkt neben dem TÜV und 5 Minuten vor 12 stand ich da dann und sie nahmen mich noch dran. Puh! Ich hatte wieder ein Einsatzfahrzeug.

Vielleicht kann ich an der Stelle erklären, warum ich ihn Pappsatt getauft hatte – das stand hinten auf dem Wagen. Ich hatte diverse Passatschriftzüge und suchte irgendeine lustige Bezeichnung, die man aus den Buchstaben basteln konnte. Heraus kam der Pappsatt CLGLSLSL:

Pappsatt CLGLSLSL

Hersteller war auch ein anderer 😉

KLEWAGEN

Als ich diese furchtbare Lackierung angefangen hatte, waren noch 2 Farben mehr geplant – ich habe die Lackierung nie vollendet. Das Sammelsurium schreiender Farben habe ich immer noch – vermutlich inzwischen eingetrocknet. Der Pappsatt war im wahrsten Sinne des Wortes eine Alltagsschlampe, das Outfit war mir langsam einfach egal. Hauptsache er fuhr. Er bekam einen anderen Versager und damit lief er auch wieder anständig. Und es war ein Passat, irgendwelche Pannenstorys kann ich nicht berichten – er fuhr einfach. Und er wurde weiterhin nicht geschont, war auch als Lastentransporter unterwegs. Schön z.B. die Aktion, als wir gemeinsam an unserem Studentenwohnheim das Balkongeländer erneuert haben. Das Material mußte der Pappsatt schleppen – und da war so ein langer Handlauf dabei. Ich weiß die Maße nicht mehr, aber der Transport war abenteuerlich.

Transport überlanger Ladung

Man achte darauf, was da auf den Flanken des Wagens steht…
Die Felchn auf dem Wagen waren übrigens die 5,5J13 Golf GTI Felgen, die ich schon auf dem Scirosto hatte. Mein Vater hatte den Wagen damals mit den schmälsten Rädern geordert, das waren 165/13 auf 5J13 – ich fuhr die 185/70/13 „Breitreifen“ und hatte damals tatsächlich keine anderen 5,5er Felgen. Eine Schande, daß ich die mit dem Wagen weggegeben habe >:XX

Ein Freund von mir sagte mal den weisen Satz:

Der Opel Kadett E liegt auf dem Schrott, weil er durchgerostet ist, der Golf 2, weil ihn der Besitzer nicht mehr sehen kann.

Der Passat 32B fällt ebenfalls in diese Kategorie der unkaputtbaren Autos. VW baute in den 80ern einfach die ausgereiftesten Autos, ab dem Golf 3 und dem Passat 35i wurde die Qualität schlechter.
So war der Grund, warum ich den Pappsatt nach nur einem Jahr wieder abgestoßen aus heutiger Sicht vollkommen lächerlich. Bei einem Tachostand von ca. 198.000km verreckte einer der vorderen Stoßdämpfer – ich denke, das waren noch die ersten. Der Dämpfer war nicht ausgelutscht, sondern komplett undicht und ohne jegliche Funktion. Es federte nur noch die Feder. Lustig bei Bodenwellen, wenn der Wagen auf einer Seite voll einfedert. Kein großer Akt für mich heutzutage, das is schnell gewechselt. Aber ich hatte irgendwie keinen Bock mehr auf die Karre, ich dürstete nach einer Veränderung. So inserierte ich den Wagen. Er fand auch schnell einen Käufer – ein Auto mit 1 Jahr TÜV für 300 DM – das war ne Ansage, wenn ich mal so drüber nachdenke. Dem Käufer gefiel auch der ganze Nippes am Wagen – das war ein Käferfahrer, der den Pappsatt danach als Winterauto nutzte.

Andere Käferfahrer, die ich Jahre später kennenlernte, fragten mich später, ob mir mal so ein widerlich grüner Passat gehört habe. Da stand Fusseltuning auf den Flanken, der könnte doch nur von mir gewesen sein…

2 thoughts on “Das zweite Leben des Pappsatt

  1. „Der Passat 32B fällt ebenfalls in diese Kategorie der unkaputtbaren Autos. VW baute in den 80ern einfach die ausgereiftesten Autos,…“
    Ja, aber auch einige andere Autos aus dieser Zeit sind/waren unkaputtbar.
    Mit ein Grund warum die Autohersteller-Lobby die Abwrackprämie durchgedrückt – damit die Dinger endlich obwohl noch brauchbar verschwinden und die Kunden wieder in die Neuwagen-Maschinerie reingedrückt werden.

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