Edelrost stahlfrei

Gestern war es so weit. Ich machte mich auf, den 73er Schlachtpassat holen. Ausgemacht war ein Kaufpreis von 50 Euro. Wenn da nicht die lange Strecke gewesen wäre – das Ding stand in Wadersloh. Also mal wieder den Ducato organisiert und früh morgens um 9 gings auf die Piste. Schmuddelwetter, aber ich war ja eh langsam unterwegs – der Ducato hat nur 75 PS Diesel. Unterwegs mußte ich immer wieder anhalten. Nicht, weil mein Gefährt technische Probleme hatte, sondern weil ständig das Handy schellte – Man hat ja auch noch einen Beruf und wenn den Kunden einfällt, das manche Dinge genau an dem Tag organisiert werden müssen, dann organisiert man eben nebenbei. So um den Dreh 13 Uhr stand er dann vor mir:

Was für eine Grotte! Scheiße, das Ding wurde 1979 abgemeldet und wie er aussieht, steht er seitdem draußen. Ein Feuchtbiotop. Ich hatte schlimmes erwartet – meine Erwartungen wurden getoppt. Die Werkstatt, hinter der er stand war ursprünglich einmal eine VW-Vertretung und das war der erste Wagen, der beim Senior gekauft wurde und den hat er dann irgendwann zurückgekauft. Aus reiner Sentimentalität. Und so langsam scheint wohl selbst in diesem die Erkenntnis gewachsen zu sein, daß der Bock unrettbar ist.

Fast jeden anderen Passat hätte man in dem Zustand stehen gelassen. Aber es ist eben ein 73er, identisch mit meinem Goldfinger. Und da sind eben 1.000de Details anders, als schon ein Baujahr später. U.a. der Getriebetunnel und somit die Getriebe. Und es passen originale Getriebe spätere Baujahre nicht in den Tunnel. Da die meisten Überlebenden 55PS Rutschen sind (wie auch mein Goldfinger), sind lange Getriebe gesucht und eigentlich für Geld und gute Worte nicht zu bekommen. Und dieser Passat ist ein 75PS Schalter mit eben jenem gesuchten Getriebe… Also rauf auf den Ducato! Vorher noch den Schrott aus dem Kofferraum geholt – wer braucht sowas?

Andere Dinge, die ich gerne in meinem Fundus gehabt hätte, waren schon weg, wie die Zierleistenclips an den Türen.

Für die, die nicht in der Materie sind: Diese Zierleistenclips gibts schon lange nicht mehr bei VW und die brechen so gerne beim Ausbau…
War gar nicht so einfach, den Bock zu verladen, denn alle 4 Reifen waren geplatzt.

Aber die Elektrowinde am Ducato ist verdammich stark. Es machte beim Aufladen dann auch ein ungutes Geräusch. Was wars? Die Hinterachse ist aus der Karosse gerissen.

Tja – es ist eben nicht mehr viel Blech über…

Augen zu und durch. Ich habe vorsichtshalber mal ein paar mehr Spanngurte verwendet – wer weiß, ob das Teil, an dem ich den Gurt fest gemacht habe, auch am Auto bleibt? 😉 Ich war fest der Meinung, Bilder vom Auto aufgeladen gemacht zu haben, aber anscheinend hat die Cam gesponnen.

Und für diesen Haufen Elend sollte ich nun 50 Euro blechen? Ich spielte mit dem Gedanken, dreist 20 Euro zu bieten, aber das erübrigte sich, denn der Juniorchef der Werkstatt, der der Wagen gehörte, kam von selbst auf mich zu und meinte, die 50 Euro könne ich stecken lassen, er habe den Verfall des Wagens unterschätzt. Ich hab ihm dann 2 Antennenbälle als symbolischen Preis gegeben…

Dann gings wieder uff die Piste zurück. Kurz nach der Abfahrt mußte ich mal bei Urs durchklingeln und von der Bergung berichten. Auch er hat einen rottenen Passat geholt – bei ihm ist es ein 76er Vari. Seiner kann aber nicht so schlecht, wie dieser 73er sein. Das ist nicht möglich. Sein Kommentar dazu: „Mußt Du immer alles toppen?“
Es war ein scheiß Wetter zum Autofahren. Nieseln und Nebelbänke wechselten sich ab. Klar, daß da wieder viele Idioten unterwegs waren, die bei der kleinsten Nebelschwade die Nebelschlussleuchte einschalteten und natürlich nicht wieder aus. Das nervt.
Ich machte einen Zwischenstopp bei Kollega Monsterbacke und half ihm ein wenig mit seinem Rechner – er hatte Tags zuvor DSL bekommen und da ich etwas öfters, als er am Rechner sitze…. Dauerte natürlich in paar Momente, funktionierte danach aber. Irgendwann nach 20 Uhr kam ich da weg. Ich war noch nicht lange unterwegs, da rief auch schon Calli an – er hatte versprochen, beim Abladen zu helfen und wir machten eine Zeit ab. Sorry Calli, daß es so spät wurde!

Als er vor der Halle ankam, war ich schon bei dem Versuch, Räder zu wechseln – die platten drehen sich so schlecht. Das erste Hinterrad war kein Problem, das war schnell gegen ein gefülltes Rad getauscht. Vorne war das schwieriger. Da ich mit dem Wagenheber nicht so leicht unter die Achse kam, probierte ich es zunächst am Unterboden – keine Chance – ich bin an 2 Stellen mit dem Wagenheber durch die Karosse gebrochen, ohne daß sich das Rad hob. Also ne sehr wacklige Konstruktion gewagt unter dem Querlenker – ging aber. Aber nur das Anheben. Das Rad bekam ich nicht ab – festgerostet. Ficken!

Probieren wir es eben so. Richtig gerollt ist das nicht. Es war mühsam, die Rostplantage in die Halle zu bekommen. Wir behalfen uns mit einem Kettenzug, mit dem wir cm um cm kämpften.

Und es war wirklich ein Kampf. Zwischendrin stockte es immer wieder aus Gründen, wie etwa dem einzigsten sich rund drehenden Rad, das sich trotzdem nicht drehte, weil ja die Achse ab ist und nun das Rad vor und zurück kann. Und das Rad nutze das ausgiebig, indem es einfach am hinteren Rand des Radkastens sich festklemmte.

Wie mühsam es war, sieht man vielleicht daran, wie die platten Räder nach der Aktion aussahen:

Als die Schnauze schon in die Halle ragte, half die Elektroseilwinde, die meinen Motorkran spielt (rechts oben im Bild zu sehen):

Kleine Bestandaufnahme nach der Aktion, was noch im Innenraum lag:

Viele neue Reparaturbleche und Zierleisten, leider nicht nur für den Passat. Aber es waren u.a. auch die beiden Verstärkungsbleche für die Radkästen vorne dabei – beide Seiten und original VW Reparaturbleche. Es war aber auch ein Radlauf bei, der bereits durchgerostet war, ohne jemals verbaut gewesen zu sein – der Innenraum ist SEHR feucht.
Gibt aber noch mehr Biotope in dem Bock, wie im Wasserkasten:

Im Motorraum fand sich zudem tatsächlich auch ein Vogelnest:

Als der Bock endlich in der Halle stand, wars Mitternacht. Dann noch Ducato wegbringen, aufräumen und volltanken und ab nach Hause – auf dem Weg noch nen Döner geholt – Abendessen hatte ich irgendwie vergessen. Ist dann doch 1 Uhr geworden – und das für DEN Wagen. Ich muß verrückt sein…

6 thoughts on “Edelrost stahlfrei

  1. Mensch, du willst das schätzchen ja wohl nicht schlachten, der könnte doch ein H-Kennzeichen bekommen 😉 Sowas muss man doch retten!!!

    Spaß beiseite, ich drücke dir die Daumen das du alle noch vorhandenen Bj-spezifischen Teile heil ausgeschlachtet bekommst.

    Gruß Ansgar

  2. Tja, Tatsache, radikal übertroffen bin ich da!

    Da wünsche ich Dir mal viel Spaß mit dem Neuwagen, gerade mal 6 Jahre gefahren, der muß ja quasi top sein!

    Gruß Urs

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