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Heute wurde der Jägervari verkauft. Der Käufer fand sich über das Forum der Passat-Kartei Deutschland. Gekauft hat ihn Julius, der neben dem Vari auch noch einen 1979er GLS Fließheck hat.

Links der Käufer, rechts Martin, der zukünftige Neuwagenschubser.
Ich denke mal, der Wagen ist in guten Händen. Ich wünsche Julius allseits gute Fahrt mit dem Wagen!
Ich habe den Jägervari für meinen Patensohn ja aus erzieherischen Maßnahmen gebaut. Als Patenonkel bin ich ja traditionell für die religiöse Erziehung zuständig - und welche "Religion" kann ich besser weitergeben, wie die Altautoliebhaberei.

Ich hatte gehofft, er leckt Blut und beginnt selbst an alten Autos zu schrauben. War bei mir ja ähnlich. Mein erstes Auto war damals kein wirklich altes Auto, sondern ein beim Kauf nur 4 Jahre alter Fiat Panda. Aber da es ein Fiat war und damit ständig kaputt, habe ich als Schüler zwangsläufig irgendwann, als das Ersparte aufgebraucht war, angefangen, den selbst zu reparieren. Ein paar kleine Unfälle zerstörten den Wert des Wagens endgültig, so daß er am Ende total versaut war...

Der Plan ging leider mächtig in die Hose. Selbst repariert hat er so gut wie garnix, wenn, dann mußte sein Bruder ran, der KFZ Mechatroniker ist. Und nun kam die Hiobsbotschaft: Er hat sich jetzt einen niegelnagelneuen VW Polo bestellt. Er hat wohl mehr Erspartes, wie ich damals, teilweise ist er auch finanziert. Ein Gedanke, der mich ehrlich gesagt ziemlich erschaudern läßt. Wie kann der nur?
Teil meines Deal mit Martin war, wenn er den Jägervari nicht mehr will, dann geht er zurück zu mir. Bis der neue Polo geliefert wird, muß ich mir ausdenken, was ich mit dem Vari machen werde. Evtl. reihe ich ihn in meine Sammlung ein, vielleicht trenne ich mich auch von ihm. Mal sehen. Glücklicherweise haben neue Autos Lieferzeiten, daß ich das durchdenken kann...
Eigentlich ist es ja nicht mehr mein Wagen, aber es bleibt irgendwie trotzdem mein Baby. Als ich zu Weihnachten bei meiner Familie war, kam ich auch wieder zum Jägervari. Und der war fahruntauglich, als ich dazukam. Der Versager fehlte, der sollte verschmutzt sein, also haben die Jungs, mein Patensohn und sein Bruder, der fast fertig ist mit seiner Ausbildung zum KFZ Mechatroniker bei Opel, völlig planlos den Versager zerlegt. Mann, mann, mann.
Man könnte ja erst einmal Symptome deuten.
Der Wagen sprang fast gar nicht mehr an und auch bei Vollgas lief er nur ganz kurz im Standgas.
Was sagt uns das? Entweder kein Sprit oder keine Zündung. Wenn dann noch Bremsenreiniger direkt in den Vergaser gespritzt den Wagen nicht laufen läßt, dann sollte es wohl die Zündung sein. Neue Verteilerkappe haben sie draufgebaut, auch nen neuen Läufer - nur den Unterbrecher haben sie nicht gewechselt. Also mal die Verteilerkappe abgemacht, Läufer und Abdeckung raus und den Motor mit der Ratsche durchgedreht. Und siehe da: Der Unterbrecher unterbrach nicht. Auge mal Pi eingestellt, anderen gebrauchten Versager drauf und angelassen - läuft.

Die richtigen Einstellarbeiten überlasse ich dann Peter (Bild), dem KFZ Mechatroniker, der soll sich mal von seinem Meister zeigen lassen, wie man sowas macht. Soll gleich nen neuen Unterbrecher und Kondensator einbauen...
Martin (auf dem Bild links) schraubte derweilen die Winterschluffen druff.

Is lustig bei den Buben. Kaum schraubt einer am Auto, schraubt der ganze Freundeskreis. Neben dem Jägervari wurde z.B. gleich ein Subwoover mit verkabelt. Nur schade, daß sie vom eigentlichen Schrauben an relativ primitiver Technik eigentlich keine Ahnung haben...
Rumfahren kann er damit aber grad nicht - der blinkt grad nicht. Ich hab mir für den Pirat grad das Blinkrelais "geliehen" 
Kleine Geschichte, die mir gerade mein Vater am Telefon erzählt hat. Mein Vater ist seit Jahrzehnten Neuwagenkäufer bei VW. Der hatte nach einem neuen Käfer, einen neuen 411 Variant, einen neuen 75er Passat LS, einen neuen 78er Passat LS, einen neuen 83er Passat CL, einem neuen Passat 35i Variant, ... bis hin zu seinem aktuellen neuen Golf Plus alle Wagen beim selben ortsansässigen VW Händler gekauft. Und als der Werkstattmeister erfuhr, daß in der Familie ein 78er Passat Variant angekommen ist, wollte der den unbedingt mal aus nostalgischen Gründen Probe fahren.
Und er war begeistert. Den Motor fand er klasse, wie sauber der ohne zu ruckeln hochzieht und wie gut der im Futter ist. Klar, aktuelle VW mit 75 PS kann man damit nicht vergleichen. Die sind dagegen lahme, spaßbefreite Krücken.
Nur die Einstellung der Kupplung gefiel ihm nicht. Die Kupplung kommt zu früh. Da hatter verdammich recht, das hatte ich vergessen noch zu machen. Macht aber nix: Der Werkstattmeister lässt es sich das nicht nehmen, das persönlich demnächst einzustellen - kostenlos versteht sich, weil er sich freut, mal wieder so einen Wagen in der Werkstatt zu haben :-)
Gestern kam die Abholdelegation für den Jägervari, bestehend aus meinen Eltern (Rentner haben Zeit) und dem Martin. Auch wenn die in Mainz übernachtet haben - klar, daß gleich als erstes der Wagen geholt werden mußte. Gut, ein Kaffee zwischendrin war noch zur Steigerung der Spannung drin. Und da die alle 350km von mir weg wohnen, sieht man sich auch nicht so häufig. Aber dann ab in die Werkstatthölle und die Kennzeichen drangeschraubt...

... und den Wagen aus der Werkstatt gefahren.

Tja und dann hätte er eigentlich die Schlüssel bekommen sollen, aber saudumm gelaufen.

Leider kam er an den Schlüssel nicht dran. Hätte er mal als Kind Multi-Sanostol bekommen, so wie ich, dann wär ihm das nicht passiert 
Tja Martin, ich hab die Regeln nicht gemacht. Das Leben ist kein Ponyhof.
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Spaßeken gemacht. Klar hat er den Wagen bekommen.

Sogar ohne Friseurbesuch. Den hat ihm sein Opa am Abend wegen der verdeckten Sicht im Straßenverkehr zwar des öfteren angeraten, aber die Jugend von heute is keinen Deut besser, als wir das damals waren. Wir hatten auch nur Flausen im auf dem Kopf.
Wer sich fragt, ob er sich freut - er is hin und weg. Auch seine Großeltern fanden den Wagen klasse. Mein Vater hatte vermutlich einen Flashback. Er hatte einen Passat des gleichen Baujahres als Fließheck. War unser Familienauto 1978 bis 1983.

Personen auf dem Bild: links ich (damals 14 Jahre alt) mit meiner Oma, rechts mein Bruder und der heutige Vater von Martin (damals 16 Jahre alt).
Natürlich is der Vari cooler, als der zitronengelbe Wagen damals ;-)

Nach der Überführung nach Mainz waren wir dann noch Essen in Mainz und zum Spazieren in der Altstadt unterwegs und als meine Eltern im Bett waren, haben Martin und ich noch einen Absacker getrunken und unser erstes richtiges Männergespräch geführt. Danach war ich mir noch mehr sicher, er hat den Wagen verdient. Er hat auch zugesagt, daß ich den Wagen wiederbekomme, wenn er ihn nicht mehr will, aber auch angedroht, daß das so schnell nicht passieren wird.
Heute Morgen haben sie dann die Heimreise angetreten. Martin ist selbst gefahren. Er ist zwar noch keine 18, hat aber schon den Führerschein und darf betreut fahren mit seinem Opa auf dem Beifahrersitz.

Allseits gute Fahrt Martin! Ich wünsch Dir viel Spaß mit dem Wagen, halt ihn Ehren, da steckt viel Arbeit und Herzblut drin!
Und weg war er...

An dieser Stelle nochmals danke an alle, die bei dem Wagen mitgeholfen haben, auf welche Weise auch immer. Besonders an Dietmar, von dem die Basis stammte, Tony, der regelmäßig mitgeholfen hat, Monsterbacke für die Rücksitzbank, 0190-URSHILFT für Rückleuchten und Telefonsupport, Florian, der die Spaltmaße gemacht hat, Ulli, die Vermieterin der Werkstatthölle, die das Chaos ertragen hat, Jürgen, der die Wanderpokal-Motorhaube wieder rausgerückt hat und alle anderen Helfer, die ich an dieser Stelle vergessen habe...
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