Warum erst jetzt?

Ich habe lang nichts mehr über meine Wohnung geschrieben. Was auch nicht weiter verwundern sollte. Nachdem die Renovierung abgeschlossen war, tat sich natürlich nicht mehr viel. Aber wirklich jedes Mal, wenn ich an einer Stelle vorbeikam, ärgerte mich etwas tierisch.

Ich habe mein Wohnzimmer vollkommen nach meinen Vorstellungen hergerichtet und von da aus geht das Schlafzimmer ab und die Tür. Boah, ich hasste den Anblick dieser braunen 70er Jahre Tür.

Ich habe Sammlerkollegen ab und an mal ein aktuelles Bild der Flaschenvitrinen geschickt und mittendrin immer diese furchtbare Tür. Ich wohne ja im Altbau, die meisten Türen sind noch wunderbare Massivholztüren, die vermutlich bis heute die ersten Türen sind. Nur diese Trennwand wurde später eingezogen und eine eben damals total moderne Tür eingesetzt. Aus heutiger Sicht total furchtbar. Geschmäcker sind eben verschieden und ändern sich mit den Jahren.

Kennt Ihr das? „Das ändere ich auch noch einmal“ und letztendlich bekommt man den Arsch dafür dann doch nicht hoch. Die Genehmigung des Vermieters hatte ich dazu.

Einziger Vorteil, dass die Tür im Verhältnis zu den Altbautüren relativ jung war: Das sollte eine Normtür sein. Aber so genau kenne ich mich damit nicht aus. Immer mal wieder suchte ich bei Kleinanzeigen nach günstigen Türen, die man aufpeppen könnte nach meinen Vorstellungen. Und dann stieß ich auf diese Türen.

Eigentlich auch furchtbar, aber so eine Tür kostet nur einen Zwanni und wenn ich die weiß streichen würde – alle anderen Türen in meiner Wohnung sind ebenfalls weiß – könnte das ganz gut aussehen. Und er hatte beide Seiten, also links und rechts angeschlagen. Die Breite sollte hinhauen. Also machte ich einen Abholtermin aus. So unter dem Motto Scheiß drauf, wenn das mit der Breite doch nicht hinhaut, habe ich nur einen Zwanni in den Wind geschossen.

Als ich dann vor Ort war, kam alles anders. Echt nette Leute und als ich erzählte, dass ich die Tür weiß streichen wolle, fragte der Verkäufer, ob ich mit einer Beschädigung leben könne. Er hat in seinem Haus alle Türen ausgewechselt und eine neue Tür hat einen Transportschaden und er hat Ersatz bekommen, die beschädigte Tür solle er entsorgen. Könne ich zum selben Preis haben. Da sagte ich nicht nein, vor allem, weil ich auch noch Klinke etc. von einer seiner alten Türen abschrauben durfte.

Angeblich kostet so eine neue Tür 500€, glaube ich zwar nicht, aber so etwas ist mir eh furchtbar egal, wie viel etwas vorher gekostet hat. Es sieht gut aus und mich hat die Tür ja nur einen Zwanni gekostet.

Auf den Dachträgern auf den Pirat geladen und daheim ausprobiert. Bingo! Passt Plug & Play. Einhängen und null Anpassungsarbeiten.

Die einzige Beschädigung ist dieser Abplatzet unten.

Verständlich, dass das der Verkäufer nicht akzeptiert hat, wenn er eine neue Tür bezahlt aber damit war die Tür eigentlich Müll. Unsere tolle Wegwerfgesellschaft. Cool, dass es Leute gibt, wie den Verkäufer, der auch die anderen Türen nicht stumpf entsorgen wollte.

Die Türzarge passte jetzt natürlich nicht mehr dazu, auch wenn es jetzt schon um Welten besser aussah. Also habe ich die noch weiß lackiert und in dem Zug auch den Abplatzet weiß gepinselt, der fällt kaum noch auf.

Was bin ich glücklich über den Anblick – so glücklich, dass es mich einen Blogeintrag wert war 😉 Der Schandfleck ist endlich weg!

Das sieht nicht nur hochwertiger aus, es ist es auch. Und gekostet hat es auch nicht viel. Klar. Noch besser wäre eine echt alte Tür gewesen, aber das mit der DIN ist eben schon cool, wenn man da nichts mehr anpassen muss.

Und ich frage mich ernsthaft: Warum habe ich das erst jetzt gemacht? Das hätte ich doch eigentlich gleich bei der Renovierung der Wohnung durchziehen können…

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