Lange verschoben.

In meinem Wohnzimmer steht mein Couchtisch, der eigentlich kein Couchtisch ist.

Der Tisch ist quasi ein Familienmitglied in Form eines ehemaligen ausziehbaren Esstischs. Er begleitet mich jetzt schon über 20 Jahre. Als ich meine erste Wohnung nach meiner Studentenbude einrichtete, fehlten mir quasi jegliche Möbel und damals gab es noch häufiger allgemeine Sperrmüllabfuhren. Also fuhr ich damals mit einer Freundin mehrere Runden und da fand ich eben jenen Tisch. Die Beine waren damals schon gekürzt, allerdings nicht so weit, wie jetzt. Ich brauchte ihn nicht wirklich. Aber hey! Ein Massivholztisch für umme!

Anfangs stand er im Flur als Ablage, als ich irgendwann mein Wohnzimmer renovierte, brauchte ich einen größeren Couchtisch und so machte ich ihn noch tiefer. Zerkratzt war die Tischplatte schon immer, schlimmer wurde es, als ich auf dem Tisch die Sitze vom Pirat bezogen habe und die untergelegte Decke zu dünn war.

Gestört hat es mich schon ein wenig. Aber 20 Jahre das vor sich herschieben? Ist doch keine Zeit. Es ist eben ein Familienmitglied, obwohl die orangene Farbe schon einmal gefährlich nahe am Tisch stand.

Letzthin meinte eine Freundin von mir, jetzt hast Du Dir so viel Mühe mit dem neuen Wohnzimmer gegeben, der Tisch passt da nicht mehr vom Zustand. Sie hatte ja Recht. Ich spürte den virtuellen Arschtritt. Also nahm ich nur die Platte mit in die Werkstatt und begann sie mit dem Schwingschleifer abzuschleifen.

Die Kratzer waren teilweise richtig tief. Ich schliff ziemlich lange an der Oberfläche.

Als die Platte wieder roh war, kehrte sie zurück in mein Wohnzimmer.

Lasuren sind Lösungsmittelfrei, das kann man auch bedenkenlos in der Wohnung lasieren. Davor habe ich die Oberfläche mit einem Microfasertuch von dem letzten Schleifstaub befreit. Dann darauf mit der Lasur, die ich billig auf eBay geschossen hatte. Was ich dahatte passte vom Farbton nicht zum Gestell.

Ich hätte mal näher auf die Dose sehen sollen. Das war eine Lasur für außen, die Oberfläche wurde sehr stumpf. Gefiel mir gar nicht.

Aber ich hatte Plan B schon im Hinterkopf. Aber wenn ich schon einmal den Tisch lackiere, dann ist das doch gleich die Gelegenheit, da noch etwas Gestaltung folgen zu lassen. Also plottete ich eine Schablone und lackierte ein angeschnittenes Jägermeister Logo. Das auf dem Balkon wegen der Dämpfe, obwohl ich ja eigentlich den Geruch von frischem Lack mag.

Ich habe normale Folie genommen. Es gibt spezielle Maskierfolien mit weniger Klebekraft, die speziell für Lackierschablonen gedacht sind, aber da die Fläche ja nicht glatt ist, war ich froh über jegliche Klebkraft. Das Ergebnis gefiel mir.

War aber immer noch die stumpfe Oberfläche. Da griff ich zu Antikwachs. Der direkte Vergleich während der Arbeit ließ hoffen.

Ich finde das sind Welten zu dem Finish vorher.

Das Wachs ist auch ein guter Oberflächenschutz und lässt sich wieder auffrischen bei Bedarf. Das Bild entstand direkt nach dem Auftragen, inzwischen ist der Tisch poliert. Falls es nach dem Einziehen mir zu stumpf wird, folgt eben eine zweite Schicht.

Ich hab das Familienmitglied wieder lieb…

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3 thoughts on “Lange verschoben.

  1. Einen Tipp möchte ich dir noch geben obwohl es schon zu spät für ist. Vor dem letzten Schleifen sollte man die Oberfläche richtig nass abwischen und trocknen lassen. Dann stellen sich die angeschliffenen Fasern auf und die Oberfläche wird stumpf/pelzig. Nun noch einmal schleifen und die Oberfläche bleibt glatt. Lösungsmittelfrei bedeutet da ist Wasser drin. Deswegen wurde die wohl stumpf.

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