25 Jahre online…

Mich rief diese Woche mein guter Kumpel Markus an und sagte mir: Sag mal, weißt Du eigentlich, dass fast auf den Tag genau vor 25 Jahren unsere erste Homepages online ging? WTF! Ernsthaft? Seit dem schwelge ich etwas in Nostalgie.

Ja, es ist so. Damals waren wir echte Nerds. Internet? Nur etwas für Spinner und Perverse. Und damals sündhaft teuer. Ich war damals bei T-Online Kunde und man musste sich über einen Decoder einwählen. Der sah ungefähr so aus:

Darüber konnte man auch BTX nutzen, beinhaltete das Mailprogramm und es gab eben auch einen Button “Internet”. Nachdem man den geklickt hatte, konnte man den Browser öffnen und surfen. Abgerechnet wurde nach Minuten. Tagsüber richtig teuer, ab 22 Uhr wurde es etwas billiger. Flatrate? Undenkbar. Um einmal die Dimensionen darzustellen: Als meine Telefonrechnung knapp unter der 1.000,- DM Grenze kratzte, zog ich die Reißleine und suchte mir einen Teilzeitjob, bei dem ich früh aufstehen musste und die Nächte nicht mehr durchsurfen konnte.

Und da ich schon damals Spaß am Publizieren hatte, bastelte ich die Kaffeelöffelheimseite im Zwischennetz. Richtig Ahnung hatte ich nicht, codete irgendwelches fieses HTML zusammen mit Rechtschreibfehlern ohne Ende.

Bei web.archive.org ist eine Version von 1997 gespeichert. Mal abgesehen davon, dass der Inhalt hanebüchener Unsinn ist, das Ganze durfte insgesamt kaum Speicherplatz haben. Eben genannter Kumpel und ich teilten uns seinen kostenlosen Webspace, den er als CompuServ User hatte und das waren 512kB. Zum Vergleich – das haben so ungefähr 4 Bilder im aktuellen Blog. Aber darauf waren zwei komplette Homepages untergebracht. Markus publizierte unter dem Namen E!Limes, was auf seinen damaligen Konsum von Erdbeerlimes zurückging und ich unter KLE, was eine Abkürzung von Kaffeelöffelexperte war. Schließlich schrieb ich über Kaffeelöffel.

Da ich alles nur mit KLE unterschrieb, ein Impressum war noch nicht vorgeschrieben, ließ ich mir den Namen als Künstlernamen schützen und das steht seitdem in meinem Ausweis. Ich wollte damals einfach die Rechte an meinen Webinhalten schützen. Und natürlich ist ein eingetragener Künstlername cool 😉

Die Homepage war eigentlich hotnotpeinlich, aber so war das eben damals. Wir, das waren einige andere, die ich damals kennenlernte übers das Verfassen von Blödsinnshomepages, machten das Internet unsicher. Es gab damals eben noch kaum private Homepages und nicht vergessen: Wir waren ja die Nerds. Dass das Internet einmal so etwas Alltägliches werden würde, ahnte damals niemand. Die Presse stürzte sich auf uns, als dann das Internet hip wurde, es aber kaum etwas zu berichten gab außer den offiziellen Seiten. Manch ein Kamerateam landete sogar in meiner damaligen Studentenbude. Ich hatte irgendwann sehr viele Homepages am Start. Irgendwann holte ich die Idee der Webrings ins deutsche Netz. Eine Verlinkung im Kreis zwischen verschiedenen Homepages zum selben Thema.

Aber das ist jetzt 20-25 Jahre her. Inzwischen sind wir Dinosaurier. Als ich diesen Blog anfing, waren Blogs total in. Das ist jetzt auch schon 16 Jahre her. Die Jugend von heute spielt inzwischen lieber Instagram und TikTok, Internetforen werden meist durch Facebook Gruppen ersetzt, wobei junge Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, das inzwischen auch als Plattform für alte Menschen ansehen. Habe gerade mal nachgesehen, bei Facebook bin ich auch schon wieder 12 Jahre dabei und damals dachte ich, das wird wieder durch eine andere Plattform ersetzt, so wie es vorher MySpace und studiVZ ergangen ist.

Mir ist das eigentlich egal, ob Blogs noch en vogue sind. Solange es einen großen Leserkreis gibt, blogge ich weiter. In diesem Sinne: Auf meine nächsten 25 Jahre im Internet!

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7 thoughts on “25 Jahre online…

  1. Hallo Kle,
    ein unheimlich schöner Eintrag, der mich auch in meine Kindheit zurückführte. Meine Eltern hatten auch schon 1996, damals wurde es allerdings ein Tummelplatz für Spinner und Geisteskranke angesehen. Ich selbst benutzte es zum ersten Mal 1999 und war schon bald fasziniert von all dem geballten Wissen und fernen Welten, vermutlich weil mir die reale Welt mangels Freunden als nicht besonders erstrebenswert erschien. Irgendwo muss ich auch noch einen alten Führer mit Webadressen herumliegen haben; allein die Screenshots der Homepages von damals…
    Es dauerte noch bis 2004, bis ich endlich WLAN hatte, um die Flatrate voll auszunutzen. Zu der Zeit waren Blogs, Foren und Chatgruppen angesagt und man konnte dort sehr angenehm mit Menschen auf der ganzen Welt austauschen.
    Mal schauen, was die Zukunft bringen wird. Leider fehlt mir ein wenig der bezug zu vermeintlich leicht zu konsumierenden Videos und Bildern, ich brauche Texte. Aber die Welt verändert sich beständig weiter, waren einst Lycos, Geocities und Yahoo Internetgiganten, so wurden es später Google, Facebook und Amazon.

    In diesem Sinne, auf die nächsten 25 Jahre 🙂
    Liebe Grüße von Benjamin

  2. Gratuliere zum “Silbernen” !
    In den letzten 25 Jahren hat sich einiges bewegt – Ende 1997 ging ich das erste Mal online – noch über Einwahl im Ortsnetz auf den Uniserver.
    Ab1998, Call-by-Call war gerade eingeführt, fielen langsam die Minutenpreise. Bis Ende 2005 war ich noch mit Modem unterwegs, dann kam gleich der Sprung auf einen 6Mibit/DSL Anschluß mit WLAN-Router.

    Heute sind Dienste und Anwendungen gängig, an die vor 20 Jahren keiner gedacht hat.
    Ich habe 1998 mit einem Controller und einem SingleSpeed CD-Rom versucht die ersten mp3s im Auto abzuspielen. Heute gibts USB-Stick mit Megaspeicherkapazität und integriertem MP3-Player quasi nachgeworfen.

    Mal abwarten was sich bis zum “Goldenen” noch so tut !

    4+5 zylindrige Grüße, Santana-Klaus

  3. Als ich 1994 einen Anschluss erhielt hörte ich mir Fragen an, wofür gerade ich dieses Internet benötige, denn ich würde doch gar keine pädophilen Tendenzen zeigen.

  4. Auch ich, seit 1998 online und schon zu den ersten privaten ISDN-Nutzern gehörend, schliesse mich gerne den Glückwünschen an.
    Diesen Blog verfolge ich übrigens schon fast von Anfang an – genauer: seit Du seinerzeit mit dem 5ender begonnen hast – und ich bin tatsächlich beinahe täglich hier, auch wenn ich selbst schon seit Jahrzehnten nicht mehr an Autos schraube 🙂

    Und wenn ich mir als treuer Leser was wünschen darf, dann ist wäre das die Möglichkeit, ohne lange Klickorgien bis ganz zum Anfang des Blogs zurückspringen zu können – beispielsweise über Monatsarchive.
    Und ja: ich weiss, das ist hier kein Wunschkonzert 🙂

    Also:
    Auf die nächsten 25 Jahre 🙂

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