Demolition Derby auf der Techno Classica Essen

Wir haben oft aus Spaß gesagt, was wäre wenn man in einer der Ausstellungshallen mit teuren Fahrzeugen ein Demolition Derby fahren würde? Nur aus Spaß natürlich. Wirklich ernsthaft mit dem Gedanken spielen, das tatsächlich durchzuziehen, macht niemand. Und trotzdem kam es am Sonntag beim Abbau zu etwas Ähnlichem bei der großen Oldtimermesse in Essen.

Nein, natürlich hat niemand wirklich ein Demolition Derby gefahren auf der Techno Classica, aber beim Abbau kam es zu einem folgenschweren Unfall in der Halle 6. Das war die Ausgangssituation – das Bild stammt vom Freitag der Messe:

Techno Classica 2015 Halle 6

Am rechten Rand sieht man noch ein wenig einen schwarzen Rolls Royce Silver Wraith. Der sollte aus der Halle gefahren werden. Offenbar – nach Aussagen Dritter, ich habe es nicht live gesehen – hatte einer der Abbauer den Wagen angelassen, ohne sich dazu in den Wagen zu setzen – und ohne zu ahnen, dass ein Gang eingelegt war. So machte es die Runde in Essen. Ganz sicher ist diese Aussage nicht.

Auf jeden Fall setzte sich der Rolls unkontrolliert in Bewegung.

Techno Classica Essen

Als erstes legte er das Gestell des Nachbarstandes um. In wie weit dabei dritte Fahrzeuge beschädigt wurde, entzieht sich meines Wissens. Dass aber alle Rohre neben die Oldtimer gefallen sind, ist eher unwahrscheinlich.

Demolition Derby Techno Classica Essen 2015

Weit kam der Rolls nicht, der Schwung wurde von anderen Autos aufgefangen – von vielen Fahrzeugen, die er ineinander schob.

Unfall Techno Classica Essen 2015

Als es passiert war, kam einer zu uns an den Stand und sagte, das müsst Ihr gesehen haben – und den Anblick konnten wir kaum glauben.

Das hat sich gelohnt! Deformiertes Blech an diversen hochpreisigen Klassikern.

Unfall Techno Classica Essen 2015

Unfall Techno Classica Essen 2015

Unfall Techno Classica Essen 2015

Unfall Techno Classica Essen 2015

Zugegeben: Ein wenig Schadenfreude kam schon auf, auch wenn man natürlich um die schönen und seltenen Oldtimer trauert. In einigen waren „Sold“ Schilder zu lesen. Das gibt mal richtig Ärger mit den Käufern, auch wenn sich die Blechschäden sicherlich richten lassen.

Oldtimer Demolition Derby

Also ich wollte nicht in der Haut des Unglücksraben stecken, der den Rolls Royce gestartet hat…

22 thoughts on “Demolition Derby auf der Techno Classica Essen

  1. ach du scheisse, der Verursacher kann sich wahrscheinlich n Strick nehmen 🙁
    hatte der RR keine Automatik??? wie konnte der mit eingelegtem Gang gestartet werden??? wie geht das???

  2. …nachdem was da speziell an dem silbernen ghibli an spachtelflatschen runtergefallen ist dürfte so mancher käufer im nachhinein evtl sogar dankbar gewesen sein. 🙂

    die scheißkisten sind eh dutzendfach da ausgestellt und versichert, ausserdem zu 99% eh totrestauriert und eher neuwagen als oldtimer. wär das jetzt auf nem clubstand passiert mit weniger elitären kaleschen wäre ich ernsthaft betrübt. aber so,beim „garagengold“ und grade DEM händler (nico, dem ollen bescheißer…) na ja…hält sich in grenzen…

  3. Hm, das tut trotzdem weh, sind immerhin schöne alte Autos. Der Fall wird sicherlich einige Anwälte (sicher auch von dem armen Tropf, der es verursacht hat) und vermutlich Gerichte auf Jahre hin beschäftigen.

  4. Der Anblick tut weh. Wie man da Schadenfreude empfinden kann ist mir unverständlich 🙁

    Wie sind denn die Ausstellungsbedingungen, die Messe wird doch sicher vorraussetzen das Aussteller entsprechenden Haftpflichtversicherungsschutz haben, bei den Werten die da rumstehen?

  5. Warum Schadenfreude? Ich kann es verstehen. Das sind Wertanlagen für Geldsch***, keine Oldtimer für Dich und mich. Unsereins kann sich damit so gut wie gar nicht identifizieren. Wie Bernd auch schon schrieb, bei einem liebevoll zusammengebauten Clubstand sähe ich das differenzierter.

    Adios
    Michael

  6. Genau – Wertanlage für Leute, die (meistens) das gleiche oder zumindest im Ansatz das gleiche Hobby haben wie wir, nur einen anderen Kontostand haben. Ich wüsste gerne was die Leser hier in der Garage hätten wenn es die finanzielle Lage erlauben würde…. 😉
    Ich jedenfalls könnte heulen bei solchen Geschichten – Versicherungsfall hin oder her.

  7. Zur Schadenfreude: Es ist für mich ein Unterschied, ob das die Autos von privaten Besitzern sind, oder, wie in diesem Fall, von Händlern, die überspachtelte Hochpreisklassiker zu extrem hohen Preisen anbieten…

  8. Dann heul doch, Markus!
    Schon allein das Wort „Geldanlage“ macht den großen Unterschied aus zu unserem Hobby.

    Das is so wie der Unterschied, ob man sich ein Bild kauft, weil es einem gefällt (da tuts nämlich auch ein Druck) – oder weil es irgendwann im Wert steigen könnte bzw. garantiert wird.
    Das Eine ist Interesse, das Andere Habsucht.
    Völlig unterschiedliche Ansätze, kein gemeinsames Hobby.

  9. Wo kann man denn auf den Bildern Spachtelpfusch erkennen?

    @egalkarl: Das Wort Geldanlage kommt doch von den Leuten, die sich hochpreisige Autos nicht leisten können oder wollen. Den Preisunterschied hat es schon zu Neuwagenzeiten gegeben, wieso sollte ein hochpreisiges Auto plötzlich billig sein, nur weil es alt ist?

    Was ist das denn nur für ein intolerantes Gelaber? Wenn man hochpreisige Autos nicht gut findet, ok, aber muss man dann alles gleich verteufeln und Besitzer und Händler als Idioten abstempeln?

    Auch im Niedrigpreissegment gibt es genügend Pfusch und wertlose Reproteile zu hohen Preisen.

    Sich an Unglücken anderer zu weiden, zeugt ohnehin von Charakterschwäche.

    Grüße Detlef

  10. @Detlef
    Ich hab die Bilder nicht gemacht, wir waren einfach zu sehr mit dem Abbau beschäftigt. Aber nach Aussage mehrerer Zeugen lagen da wirklich zentimeterdicke Spachtelplatten auf dem Boden. Klar, ab und an geht es nicht anders, aber in der Preisklasse erwartet man das nicht. Wenn, dann erwartet man da Zinn.

    Insgesamt muss man sagen zur Diskussion: Nicht jeder Hochpreisklassiker ist Spekulationsobjekt. Da steckt bei vielen Besitzern auch echte Leidenschaft dahinter. Und wenn sich einer leisten kann, sich einen restaurierten Hochpreisklassiker restauriert zu kaufen – warum nicht? Wenn sich wer leisten kann, mit einem Auto mit 30 Liter Verbrauch im Alltag zu fahren – es sei ihm gegönnt. Ich erfreue mich daran, die Karre auf der Gasse zu sehen. Ohne finanzkräftige Besitzer wären diese Autos aus dem Straßenverkehr verschwunden.

    Bei den Kisten in der Halle 6 wird die Show mitverkauft. Will nicht wissen, was da ein Standplatz kostet. Bei der Fläche, die die da für relativ wenige Autos haben, kann ich mir vorstellen, dass das 5stellig ist. Wird natürlich in einen – nicht sicheren – Verkauf alles mit reingerechnet. Anders wärs finanzieller Selbsmord des Händlers. Gut, bei Hochpreisklassikern ist der Anteil der Standkosten im tolerierbaren Bereich. Aber auch die Schadenreparatur. Da wurde ja kein Kernshrott produziert, sondern „nur“ Blechschäden. Die Autos sind nicht restlos zerstört, da lohnt die Reparatur auf jeden Fall. Und wahrscheinlich ist das alles so überversichert, dass außer den Versicherungen niemand ein Schaden entstanden ist – außer einem Imageschaden vielleicht. Und dafür sind Versicherungen da.
    Deshalb denke ich, dass man über den Vorfall auch legitim schmunzeln darf.

  11. „Den Preisunterschied hat es schon zu Neuwagenzeiten gegeben, wieso sollte ein hochpreisiges Auto plötzlich billig sein, nur weil es alt ist?“

    Nach dieser Logik müsste ein 30 Jahre alter Golf im Topzustand den gleichen Bezug zum Neupreis haben wie ein Porsche 911, der über diesen mittlerweile stark hinausgeht.
    Im Zustand 5 kriegt man den Golf geschenkt oder bezahlt 50-100 Euro dafür, der Porsche ist auch als Wrack noch mehrere Tausender wert.
    Obwohls der gleiche Haufen rostiger Schrott ist.

  12. Man sollte auch nicht vergessen daß wegen dieser Hochpreisklassiker eine nicht unerhebliche Restaurationsszene entstanden ist. Da stehen viele Leute in Lohn und Brot (ich meine nicht die Chefs sondern die Blechspengler, Polsterer, Motoreninstandsetzer, Lackierer, Stellmacher,…)

    Persönlich kann ich mit diesen (in menen Augen) viel zu teuren Autos nix anfangen, ich mag auch die meisten dieser abgehobenen „Schnösel“ nicht (die in den Autos vermutlich wirklich nur Spekulationsobjekte sehen), aber ich repektiere den handwerklichen Aufwand, der dahinter steckt. Und diese Szene sorgt letztlich auch für viele Arbeitsplätze, eben auch für „Normalos“.

  13. Wolfgang, das bezweifle ich.

    Leute, die ihr „Brot“ durch die Restaurierung von Oldtimern verdienen, gibts wohl eher in der Werbung, für die CSU oder für Bier. Die meisten Betriebe könnten davon alleine gar nicht leben, die machen auch viel Normales oder geben Vieles außer Haus. Klar, gibts auch die Großen wie Bart Holland oder den Memminger.
    Aber aus eigener Erfahrung, allerdings vor ca. 20 Jahren, als man noch lieber in andere Dinge als automobiles Blech investierte, weiß ich, daß man in der Lehre genauso wenig verdient, wie in anderen Handwerksberufen auch.
    Bei Vorstellungsgesprächen wurde mir auch immer gesagt, daß die Geschäfte unsicher seien, weil an automobilem Luxus als Erstes gespart wird.
    Es mag heute wegen der gestiegenen Nachfrage mehr Leute geben, die an altem Blech (& Technik) schrauben, aber die Kunden und die Chefs haben meist immer noch nen Igel in der Tasche.

    Du hast zwar sicher Recht, daß eine Restaurations-Szene gewachsen ist, aber ich bezweifle doch, daß es dort soo viele Arbeitsplätze, insbesondere Sichere und anständig Bezahlte, gibt. Das wird einem nur durch die hohen Preise der Spekulationsobjekte vorgegaukelt.

    Is wie mit der monatlichen Arbeitslosenstatistik: die Zahl 3 Millionen kann man glauben. Sollte man aber nicht.

  14. Ich bin zwar nicht in der „Oldtmierbranche“ tätig, Aber wenn man bedenket wie sich die ganze Szene entwickelt hat, dann denke ich schon daß da Existenzen dran hängen. Wieviele weiß man nicht, da hast Du recht. Aber Fakt ist eben auch: früher waren „Altwagenschrauber“ ein paar Spinner die mehr oder weniger konsequent Konsumverweigerung betrieben haben. Heute ist das alles „anerkannt“, alte Autos sind gesellschaftsfähig geworden. Schau nur mal wie sich die vielen Oldtimermärkte entwickelt haben (Menge, Größe). Gut: bei manchen Veranstaltungen ist die Größe rückläufig (Bsp. Kassel), aber im allgemeinen gibts da schon viel Zuwachs. Zur TC fahre ich aber auch schon seit Jahren nicht mehr – ist mir zu elitär, da gehör ich nicht zu!

    Daß im Zuge sinkender Verzinsungen und Renditen die Spekulanten nach anderen Objekten mit mehr Wertzuwachs suchen ist leider so – das werden wir nicht ändern. Mich ärgert aber auch, daß daher Fahrzeuge, die noch vor Jahren halbwegs bezahlbar waren in schindelerregende Sphären abgehoben sind. O.k.: Rolls, Lambo, ferrari und Co waren eigtl. schon immer teuer, die laß ich mal aussen vor.

  15. @egalkarl

    klar glaube ich das, denn die Leute, die viel Geld für ein Fahrzeug ausgeben haben sehr unterschiedliche Motivationen. Natürlich ist es einfacher, ein wertstabiles oder wertsteigendes Fahrzeug zu kaufen, denn da lohnen Reparaturen (als Nichtschrauber) und im Versicherungsfall bekommt man ohne Versicherungsgezicke sein Geld. Also Spaß haben und wenn man verkauft, ist man mit wenig kosten dabei.
    Das Argument mit der Geldanlage hinkt, da man bei Geldanlagen nicht hochpreisig einsteigt. Genau das tun aber die Autokäufer. Die meisten Fahrzeuge sind stabil, wenig spekulativ. Lediglich Flügeltürer, Ferrari GTO und Rennwagen mit nachgewiesener Historie sinken und steigen wie Aktien, aber schon seit Jahrzehnten, also nix neues.

  16. @Christian W.

    Porsche 911 3.2 Bj. 84/85 NP ca. 90.000 DM, Wert im Zustand 2 heute ca. 42.000 Euro (gibt es wie Sand am Meer).

    VW Käfer 1200 Bj. 85 NP ca. 10.000 DM, Wert im Zustand 2 heute ca. 7.000 Euro (schwer zu bekommen).

    Golf GTI Bj. 85 NP ca. 20.000 DM, Wert im Zustand 2 heute ca. 10.000 Euro (sehr schwer zu bekommen).

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