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Der Ludenbenz

Ich fühlte mich zu Höherem berufen, als ich mir 1998 zu meinem Diplom als Diplom Designer (FH) den Ludenbenz kaufte. Ich hatte den Taxibenz schon verkauft, dachte mir nicht, daß es ein solches Problem werden würde, einen W126 zu bekommen. Dabei hatte ich gar nicht so große Ansprüche: Ich war auf keine Motorisierung fixiert, ich wollte nur einen guten Allgemeinzustand und keine zu asseligen Farbkombinationen. Deshalb schied z.B. der kackbraune Wagen von einem Fähnchenhändler aus. Wenn ich schon einmal eine Luxuslimo kaufen sollte, dann sollte sie auch wie eine Luxuslimo aussehen. Und dann kam das Inserat: 420SE W 126, Bj 11/87, TUV/AU neu, Klima, blau-schw.-met. Schw. Leder, eSitze, eFH, ZV, Autom., ABS, RS, eLenksäule, Mittelarm, RC, Alu, eSD, ASR, gepflegter GaWa, 15.500,-DM.

Mercedes Benz W126 420SE

Und ganz ehrlich? Ich hätte diese Anzeige besser überlesen. Aber ich war heiß auf so eine Karre und als ich zur Besichtigung fuhr, war ich einfach blind verliebt – ich merkte nicht einmal auffällige Details. Schaut Euch mal das Bild an – die vordere Stoßstange ist schwarz, der Rest des Plastiks grau. Angeblich keine Vorschäden. Wenn der Verkäufer so dreist lügt, stimmt auch der Rest nicht. Scheckheft war „versehentlich“ verloren gegangen, da war nix nachweisbar, der Tacho zeigte knapp unter 200.000km und war mit 100%iger Sicherheit zurückgedreht. Und die vielen Vorbesitzer mit auffällig vielen „Ü“ und „Y“ im Namen hätten mich auch stutzig machen sollen. Aber ich war eben verliebt… Der erste Werkstattcheck fiel sehr ernüchternd aus: Kostenvoranschlag über 15.000DM – wie jetzt? Ich hakte nur ein paar Punkte davon ab: Querlenker ließ ich machen und neue Reifen montieren, das andere war mir zu teuer. Optisch änderte ich nicht viel an dem Wagen. An den Kühlergrill kamen ein paar Plaketten, die Blinker tauschte ich gegen weiße Exemplare. Das waren so ziemlich die ersten Teile, die ich im Internet bestellte. Ja, inzwischen war das Internet als Handelsplattform entdeckt worden, das Angebot wuchs langsam.

Ludenbenz

Mit den Plaketten hatte ich auch ne schöne Geschichte erlebt. Ich machte einen Ausflug mit einer Freundin und als ich an den Wagen zurückkam, kniete ein Japaner vor dem Wagen und fotografierte die Plaketten. Ich warte immer noch darauf, daß sowas an irgendeinem Reiskocher mal kopiert wird :. Hinten aufs Heck kamen Die Bezeichnungsschilder „Schlachtschiff“ und „Achtender“. Die bekam ich kostenlos für einen Werbebanner auf irgendeiner meiner damals schon existierenden Webseiten.

Schlachtschiff Achtender

Das war´s dann schon so ziemlich. Der Wagen hatte außer Niveauregulierung und AHK so ziemlich alles – also alles für den Fahrer. Ein absoluter Egoistenwagen. Sitzheizung? Klar, aber nur der Fahrersitz. Elektrische Fensterheber? Klar, aber nur vorne… Ich, als Fahrer hatte also jeglichen Luxus. Die elektrischen Sitze waren die Show – selbst die Kopfstützen waren elektrisch. Willkommen zuhause!

Lederausstattung Mercedes W126

Selbst mit den Sitzen hatte ich Spaß. Ich stand einmal im Stau auf der Autobahn – heißer Sommertag, Klima an, Fenster geschlossen. Neben mir ein VW Polo, in den 4 Erwachsene gezwängt waren. Scheiße, haben die mich bös angesehen, als ich demonstrativ mit dem Fahrersitz vor und zurück gefahren bin. Als ich dann das Fenster heruntergelassen habe und aus dem Radio lautstark Heinz Rühmann schallte mit dem Lied „Wozu ist die Straßen da – zum marschieren“, hatte ich definitiv keine neuen Freunde gefunden. Meine Neffen fanden sie Sitze auch genial – ich weiß nicht, wie lange die im Auto saßen und mit den Sitzen spielten – ich mußte befürchten, daß die da nie wieder rauskommen. Auch das Armaturenbrett war geil – ein Traum in Wurzelholz:

Armaturenbrett Mercedes Benz W126 420SE

Klasse der Kommentar meines Vaters, als ich ihn über den Kauf des Wagens informierte: „Mercedes 420SE – der hat doch 2,4l Hubraum!“ Hatte er natürlich nicht, es waren 4,2l verteilt auf 8 in V-Form angeordnete Töpfe.

Motor Mercedes Benz W126 420 SE V8

Mit den 224PS lief der Wagen 230 Tacho – und selbst bei dem Tempo war der Wagen total entspannt zu fahren. Telefonieren durchaus noch möglich – und damals sogar noch legal. Gut, er soff dann auch – ich denke mal insgesamt bin ich den Wagen ungefähr im Schnitt mit 20l Super auf 100km gefahren – was sollte der Geiz! Im Sommer fuhr ich die originalen Kanaldeckel Felgen, im Winter besorgte ich mir entsprechende 15 Zoll Winterräder. Drauf kamen äußerst seltene Radzierblenden: Die vom /8 bzw. W123 in 15 Zoll – die hatten nur die Leichenwagen und Krankenwagen. Damals bekam ich die neu bei eBay.

Winterräder Radkappen 15 Zoll Mercedes Benz

Rechts im Bild übriges der Memberaufkleber der Parkplatzraver, aus denen sich später die Motoraver entwickelten. Der Ludenbenz war das neueste Fahrzeug damals im Club. Ich kannte die Junx damals nur übers Internet. Alles so weit, so geil. Wenn dieser Wagen nicht unter einem jahrelangem Wartungsstau gelitten hatte. Ich weiß nicht, was in welcher Reihenfolge kaputt ging. Ich glaube, das erste, was verreckte, war der Lüfter vorm Kühler, der Zahnausfall bekam. W126 Teile auf dem Schrott? Fehlanzeige. Ich fand eine Tankstelle in Frankfurt, die in der kleinen Werkstatt daneben ausschließlich W126 reparierte und herrichtete. Die hatten den entsprechenden Lüfter – nicht das letzte teil, das ich da kaufte. Das Schiebedach verreckte irgendwie, ich behalf mir mit zukleben – ich hab ja Klima. Also anfangs. Die wurde immer lauer – irgendwo war die undicht. Ich hatte aber noch elektrische Fensterheber – als da der Schalter verreckte, reparierte ich das dann doch einmal. Die Auspuffanlage war irgendwann so fertig, daß ich Ersatz brauchte – Kosten ohne Kat: 3.500 DM – und das war keine originale von Mercedes!

Ludenbenz

Auf einer Fahrt in meine alte Heimat löste sich ein Keilriemen halb auf. Leider nur halb. Denn der Rest des Keilriemens schlug wild um, sich und zerstörte die Leitung des Getriebeölkühlers. Da der Wagen so gut gedämmt war, merkte ich das erst, als das Getriebe trocken gefahren war: Kapitaler Getriebeschaden. Ein gebrauchtes Getriebe fand sich an der schon genannten Tankstelle für „nur“ 1.000 DM – inkl. Einbau war fast noch ein Tausender klein. Der Wagen schröpfte und schröpfte mein Konto, bis ich so weit war: Der Wagen muß weg. Nur fürs Auto arbeiten ist dann doch nix. Also inserierte ich ihn eigentlich überall. Ich fing an mit 11.000 DM. Sehr optimistisch, wie sich zeigte. Und was soll ich sagen: Es ist ein Abenteuer, eine gebrauchte S-Klasse anzubieten. Beispiele: Auf der Straße sprach mich ein Afrikahändler an, was ich für den Wagen wolle.

KLE: 11.000 DM

Afrikahändler: Ich gebe Dir 5.000 DM

KLE: Nein, das ist viel zu wenig

Afrikahändler: Warum?

KLE: Das ist weniger als die Hälfte

Afrikahändler: Aber ich gebe Dir das Geld bar

KLE: Ich hätte die 11.000 gerne auch bar Er hat mich dann gepflegt beleidigt und ist gegangen.

Überhaupt – es hat kaum ein flüssig Deutsch sprechender Interessent angerufen. Der Hammer war aber der Teppichhändler:

Teppichhändler: Was solle kosten Mercedes Benz

KLE: 10.000,-DM

Teppichhändler: Ich geben Dir 3.000 DM und echten Orientteppich

KLE: Was soll ich mit einem Orientteppich?

Teppichhändler: Deine Frau wird Dich lieben für originalen Orientteppich

KLE: Ich bin nicht verheiratet

Teppichhändler: Deine Freundin wird Dich lieben für originalen Orientteppich

KLE: Ich habe auch keine Freundin

Teppichhändler: Jede Frau will mit Dir schlafen, wenn Du habe original Orientteppich.

Ich hätte es vielleicht ausprobieren sollen 😉

Mercedes Benz W126 420SE Ludenbenz

Die Versuche, den Wagen abzugeben, dauerte mehrere Wochen, wenn nicht Monate. Letztendlich habe ich den Wagen für 6.000 DM verkauft. Ich hab am Ende mal durchgerechnet, was mich der Wagen so gekostet hat und ich bin nur für Wertverlust und Reparaturen auf ca. 1.000 DM/Monat gekommen – dazu kamen noch Steuer, Versicherung und Sprit. Auch wenn ich mir das damals einigermaßen leisten konnte, so war das doch sehr teures Lehrgeld. Sollte ich mir jemals noch einmal eine Luxuskarre vom Schlag eines W126 kaufen, dann nur mit lückenlosem Scheckheft aus seriöser Quelle…

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Der Taxibenz – Mercedes Benz W123 230E

Ich war noch Student, aber die Nebeneinkünfte stiegen, da dachte ich mir, ich müßte auch mal automobil aufsteigen. Es wird Zeit einen Benz zu fahren. Also ging ich auf die Suche und durchstöberte Kleinanzeigen und stieß auf ein Fahrzeug, das wunderbar absurd war. Einen Rentnerbenz, der nicht wirklich nach einem Rentnerfahrzeug aussah.

Mercedes Benz W123 230E

Mercedes Benz 230E, EZ 1980, Stahlschiebedach, nur 84.000km gelaufen in einem wirklich gewöhnungsbedürftigem Outfit. Senfgelb (keine Ahnung, wie der Farbton richtig heißt) mit einem braun metallicfarbenen auflackiertem Streifen drum rum, Frontspoiler, Seitenschweller, Heckspoiler, 2 Satz Alus dabei, … VHB 2.600,-DM.

Es war wirklich hart an der Geschmacksgrenze – auch die Innenausstattung in rentnergrün. Nein, es gibt hübscheres.

Innenausstattung Mercedes Benz W123

Gut, die Farbkombination kannte ich schon von unserem Urlaubsbenz damals. Der angebotene Benz war aber deutlich besser erhalten.
Der Wagen wurde vom Vater des Erstbesitzers als Jahreswagen übernommen und der Opa hat den Wagen gut gepflegt. Als er ihn bei einem BMW Händler schließlich in Zahlung gegeben hat, wanderte er direkt weiter zu einem Fähnchenhändler – dem BMW Händler war der wohl zu peinlich.

Mercedes Benz W123 230E

Ich sagte mir, wenn ich ihn für 2.000,-DM bekomme, nehme ich ihn. Ich bekam ihn für die Kohle. Was ich gekauft hatte, war für mich ein Gestaltungsanlaß. Weil so konnte er einfach nicht bleiben.

Der Frontspoiler flog weg, ebenso die Seitenschweller, nur den Heckspoiler ließ ich, weil der Lack drunter viel weniger ausgebleicht war, als der Lack drum rum. Das hätte mies ausgesehen. Das auf der Lenksäule montierte Econometer flog auch raus, blieb noch das Problem mit dem braunen Streifen drum rum. Gelber Wagen? Was kann man aus einem gelben Wagen machen? Checker Taxi! Ich besorgte DC-Fix Karofolie aus dem Baumarkt, aber das überzeugte mich nicht. a) gab es die im Baumarkt nur mit marmorierten weißen Flächen und b) paßte die Breite der Karos nicht 100%. Aber es gab die Aussicht, daß das gut aussehen könnte. Also lackierte ich die Karos mit der Sprühdose. Was ne Abklebeorgie – aber es hat sich gelohnt!

Mercedes Benz W123 Checker Taxi Style

Vom Kühlergrill riß ich die Chromstreben und all den anderen Kokolores, was da noch hing und lackierte das Plastik in schwarz (original grau), die Scheinwerfer waren vom Vorbesitzer schon schwarz hinterlegt.

Taxibenz W123

Ganz ehrlich? So würde ich den heute noch fahren, vielleicht noch die Scheinwerfer gegen die Eckigen vom 280er tauschen und weiße Blinker, etwas tiefer, aber sonst…

Ich hatte mein Studienziel erreicht: Student mit Benz und Putzfrau :. Man muß ja nicht erwähnen, daß die „Putzfrau“ eine Studentin war, die nur 2 Stunden/Woche bei mir sehr grob sauber machte. Einen Luxus, den ich mir bis heute gönne.

Den Frontspoiler und die Seitenschweller habe ich verkauft, ebenso die diggen Alus, die im Kofferraum lagen. Waren fiese breite Kreuzspeichen, nagelt mich nicht fest – irgend so eine derbe Größe 8×14 mit absolut unüblicher Reifengröße. Der Satz Reifen hätt irgendwas um 1.000,-DM gekostet. Das stand in keinem Verhältnis zum Wagenwert, also weg damit!

Es ist erstaunlich, was so ein Benz für einen Imagewandel bei alten Leuten bewirkt. Als ich das erste Mal mit dem Wagen bei meiner Familie war, waren meine Großeltern hin und weg. Für die war das ein Zeichen: Der Bub hat?s geschafft im Leben. Mein Opa fragte mich, ob ich denn eine Alarmanlage hätte, so ein Mercedes würde doch sicherlich oft geklaut. Der Argumentation, daß der Passat Neuwagen meines Vaters ein Vielfaches des Benz gekostet habe, konnte er nicht folgen. Er mußte sogar ein Bild machen mit mir und Oma am Benz, damit sie es allen Bekannten zeigen konnten. Leider habe ich das Bild zum Scannen nicht wiedergefunden.

Der Wagen fuhr sich gut, die 136PS standen gut im Futter, leider soff er bei Vollgas auch. Wie gut, daß der Sprit damals (ca. 1997) noch nicht ganz so teuer war.

Mercedes Benz Motor 230E

In der Steuer war er auch nicht ganz so billig – der Bock hatte keinerlei Kat. Egal. Der Wagen war trotzdem sehr geschmeidig. Normalerweise kämen jetzt in einem Bericht über meine Letzthandkarren irgendwelche Pannenberichte, aber ohne zu lügen: In den knapp 2 Jahren, in dem ich den Benz gefahren habe, ging wirklich nix kaputt. Ölwechsel, 1x Ventile einstellen – das war?s.

Ich war mit dem Wagen auf einem Passattreffen. Schon kurz nachdem ich losgefahren war, kam der panische Anruf von Olaf: „Wo bleibst Du? Die wollen mich hier alle alleine lassen!“ Ich gab Gas, um am Freitagabend zum Treffengelände zu kommen. Als ich ankam, verkrümelten sich tatsächlich alle anderen außer Olaf und mir. Wir diskutierten diverse Abendgestaltungsmöglichkeiten und letztendlich fand sich am nächsten Tag folgendes Bild: Zwei verkaterte Gestalten schlafend in dem Wohnwagen, der nur als Kassenhäuschen eingeplant war und daneben ein senfgelber Benz, neben Beifahrer- und Fahrertür je ein Haufen mit leeren Bierdosen. Gab Mecker, aber wir hatten Spaß.

An einem Abend war ich mit dem Benz und einem Kumpel in Frankfurt unterwegs. Wir hatten von einer geilen Party gehört, wußten aber nicht, wo die stattfinden sollte. Zum Vorglühen gab es in Wiesbaden Gin Tonic. Nachdem wir einige Runden ziellos durch Frankfurt gefahren waren, fragten wir Passanten nach dem Weg. Die angesprochene Gruppe war sich nicht einig und fing an zu diskutieren, wie man fahren könne. Die Straße hatte 2 Spuren in meiner Richtung, trotzdem setzte sich hinter mich ein Taxi und beschallte uns mit Dauerhupen. Die Passanten kamen immer noch zu keinem Schluß, das Hupen ging weiter. Mein Hals schwoll und schwoll… Der Weg war gefunden, ich konnte weiterfahren und ich beruhigte meine Nerven mit einem Sprint bis zur nächsten Ampel. Könnte durchaus sein, daß das Tempo 3stellig wurde. Wer stellt sich neben mir an die Ampel? Ein komisch grün weißes Auto. Was folgte war abzusehen: Allgemeine Verkehrskontrolle. Aber irgendwie anders, als sonst. Ein Polizist am Fenster, ein zweiter Polizist mit der Hand an der Waffe in Sicherheitsabstand. „Wir müssen davon ausgehen, daß sie die Passanten beim Drogenhandel betrogen haben, weil sie die Personengruppe so schnell verlassen haben“ Wattttt??? Das is mal was Neues. Nach Überprüfung meiner Personalien ohne Auffälligkeiten Entwarnung, sie glaubten mir meine Geschichte. „Da müssen Sie sich nichts dabei denken, wir sind in Frankfurt, da sind die Taxifahrer eben so“ Aha. Ich ließ mir von dem Polizisten den Weg zur Party erklären – wieder ganz anders, als die Passanten es meinten. Als ich dann losfahren wollte kam die Frage: „Ach ja, haben Sie etwas getrunken?“ – ich bin ohne zu antworten einfach weitergefahren.

Der Benz hatte einen Zigeunerhaken und so war ich dran, als wir hinter dem Studentenwohnheim eine Terrasse betonierten, den Zement zu holen.

Zigeunerhaken W123

Ich fuhr zum Praktiker, lieh dort kostenlos einen Hänger und lies eine Palette Zementsäcke auf den Hänger mit dem Gabelstapler laden. Der Staplerfahrer setzte genau über der Achse ab – Ladungssicherung? Ach, die 5 km… Und natürlich ist das Leben ein Arschloch – ich wurde geschnitten und mußte mit dem Gespann voll in die Eisen. Resultat: Die Palette Zement rutsch nach vorne. Resultat: Sportbootfahrwerk ist geschmeichelt, mein Beifahrer und ich sahen gen Himmel, die AHK war nur noch wenige cm über dem Asphalt. Ach, ich hab ja Highchecker – an die Take gefahren und aufgepumpt. Keine wirkliche Besserung. Palette umladen? Zu faul. Wir entschieden uns für eine Schleichfahrt durch Mainz. So leicht zu lenken war er nie wieder – ein Wunder, daß die Vorderräder noch Bodenkontakt hatten :.

Nach weniger als 2 Jahren stand mir der Sinn nach einem weiteren Automobilen Aufstieg. Ne S-Klasse, das wär?s! Ich hatte noch keine an der Hand, aber inserierte den Taxibenz schonmal vorsorglich. Er hatte noch etwas Rest-TÜV, einziger Rostschaden waren die Ecken der Kotflügel unten, da hatte es unter dem Frontspoiler gegammelt.

Rostloch Kotflügel Mercedes W123

Der Wagen fand sehr schnell für 1.000,-DM einen Käufer. Mal wieder viel zu billig. Der Käufer zahlte 500 DM an und gab mir einen Monat Zeit, einen Nachfolger zu finden. Und den suchte ich zu lange, wurde beim Kauf unvorsichtig. Wenn man zu heiß auf etwas ist, wird man betriebsblind. Der Taxibenz ging in Teilen letztendlich in den Libanon. Schade drum, er hätte wahrscheinlich ohne Probleme in Deutschland den Oldtimerstatus erreicht.

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Der Passaratti BSE Kuh-Pee Teil 2

VW Passaratti BSE Kuh-pee 1978

Einen anderen Unfallschaden zog ich mir in einer verkehrsberuhigten Zone zu. Ein wunderbarer Slalom, den ich immer weiter ausreizte, wie schnell er zu fahren ist spät nachts. Ich sag mal so: 80km/h sind zu schnell. Problem waren Betonblumenkübel, die als Begrenzung da standen und so knalle ich mit dem Hinterrad gegen einer dieser Kübel. Der Kübel überlebte das, der Wagen sah aber sehr komisch aus. Das eine Rad stand jetzt satt im Radkasten, während das andere sich tief in den Radkasten verflüchtigt hatte. Die Achse war verschoben.
Eine freie Werkstatt sagte: Auto wegwerfen! Aber nicht mit mir.

Ich suchte einen Ausschlachtwagen und wollte die Hinterachse wechseln. Ich fand einen inseriert für 100 DM. Stand in Offenbach. Ich also dahin, Treffpunkt war ein Parkplatz – er stehe dann da. Hä? Wer steht denn tagsüber den ganzen Tag an einem Parkplatz? Nun, an dem Parkplatz war eine Trinkhalle und der Verkäufer begrüßte mich stilsicher mit der Bierflasche in der Hand. Der Schlachter war abgemeldet, der Besitzer hatte den Schlüssel verloren und versucht den zu überbrücken. Also erst einmal alle Kabel am Zündschloß durchtrennt. da er das mit den richtigen Kabeln nicht hinbekommen hatte, hat er den Schalter hinterm Zündschloß irgendwie rausgefuddelt bekommen, alle Kabel einfach irgendwie miteinander verzwirbelt und so ließ sich der Wagen mit einem Schraubenzieher starten. Abenteuerlich. War aber ein GLS mit 85PS, hatte sogar noch etwas TÜV. Wir einigten uns auf 50 DM und so holte ich den Wagen.
Ich verglich die Hinterachsen der beiden Wagen und stellte fest, daß der Panhardstab unterschiedlich war. Scheiße, ich hatte mir „nur“ den Panhardstab verbogen und dafür sollte ich den Wagen wegwerfen? Den Panhardstab aus dem Schlachter verbaut und die Achse stand wieder da, wo sie hingehörte.
Aus dem Schlachter habe ich dann noch den Motor ausgebaut und die Auspuffanlage.

VW Passat 32 Schlachtfahrzeug

Eigentlich wollte ich noch die Colorverglasung ausbauen, wenn da nicht… Der Wagen stand vor dem Studentenwohnheim, in dem ich mal gewohnt habe. Und wir räumten ein Zimmer aus. Und Möbel wurden damals grundsätzlich zertrümmert, die Bretter aus dem Fenster geworfen und auf dem Lagerfeuer verbrannt. Dumm nur, daß bei einer solchen Aktion sich ein Brett in einem Baum verfang und eine ungewollte Flugbahn nahm. Landeplatz: Stumpf durch die Heckscheibe des Schlachters. Colorverglasung nicht mehr komplett, also wurde der Wagen mit den Restscheiben entsorgt. Scheiße, war ich doof.

VW Passaratti BSE Kuh-Pee 1978

Ich hätte zu mindestens mal die Antriebswellen bergen sollen. Denn eine der Antriebswellen fing irgendwann an zu klackern. Ich drehte das Radio lauter, bis das zu schwach wurde. Als Rundruf bei diversen Schrottplätzen und einer hatte die passende Welle – die Reparatur kam etwas zu spät, denn bis ich dazu kam, war die Antriebswelle schon komplett verreckt. Ein Kumpel holte mich mit dem Abschleppseil ab.

Damals hatte ich den Dreh mit den umgeschweißten Sitzen noch nicht so raus und ganz ehrlich? Mit 2,04m Körpergröße ist so ein 32er Passat mit Seriensitzen nicht lustig. Und so kam es, daß ich irgendwann wieder Bock auf einen neuen Wagen hatte. Ich brauchte einen Anlaß zum Fahrzeugwechsel und der fand sich in Form der kaputten Auspuffanlage. Ich hatte den Auspuff vom Schlachter – aber das wäre Arbeit gewesen.
Ein Bekannter wollte den Passaratti BSE unbedingt haben, aber als der seinen Führerschein verloren hatte, weil er – festhalten – Rosenmontag in Mainz betrunken eine Ampel überfahren hatte, dachte ich mir: inserieren wir ihn. Es kam sofort ein Protestanruf vom Bruder des bekannten: Hey! Nicht verkaufen! Der ist meinem Bruder versprochen. Ich ließ mich überreden, was ich bis heute bereue.
Resultat war: Der Wagen stand abgemeldet ein halbes Jahr vor dem Studentenwohnheim, der Rest-TÜV verfiel und irgendwann hieß es, daß er weg muß. Dringend.
Letztendlich wurde eine Anzeige geschaltet, daß der Wagen zu verschenken wäre. Und irgendwer hat ihn auch abgeholt – informiert wurde ich nicht, wer ihn geholt hat. Der Wagen war damals nicht wirklich schlecht. Eine Endspitze durch, technisch bis auf den Auspuff fit – und das Armaturenbrett auch noch ansehnlich.

Armaturenbrett Passat 32

Hach, ich könnte mich in den Arsch beißen – hätte ich doch damals ne Unterstellmöglichkeit gehabt, ich würde den Wagen heute wieder ab und an zu irgendwelchen Treffen rausholen…

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Das Passaratti BSE Kuh-Pee Teil 1

Das Passaratti BSE Kuh-Pee war das erste Auto, das eine größere Öffentlichkeit wahrgenommen hat – und das erste, das es in die Zeitung geschafft hat. Und ich meine jetzt keinen Unfallbericht in der lokalen Presse. Als ich 1996 mit dem Bock auf dem VW Forum war, gönnte mir die VW Scene ein Bild im Bericht:

VW Passarati BSE in der VW Scene

Doch fangen wir von vorne an. Am Anfang stand mal wieder eine Kleinanzeige. Da wurde ein Variant LS angeboten. Ich rechnete mit einem VW Passat Variant. Sehr naiv 😉

Verkaufsanzeige VW Passat

Kilometerstand niedrig, fast 2 Jahre TÜV – klang doch gut. Also habe ich mir ihn angesehen. Irgendwie hatte jemand 2 Türen geklaut und das Heck abgeschnitten. Das war ne astreine Limo mit großer Heckklappe. Auch gut. Der Wagen machte einen guten Eindruck, nur ein Kotflügel vorne war durch, das war?s. Handeln ließ der Verkäufer nicht mit sich, aber der Preis war ja auch ok. Was für mich damals nicht ok war, war die Farbe: merianbraun – im Volksmund auch kackbraun genannt. Das ging für mich damals garnicht. BTW: Ich hab nie zuvor und auch nie danach bewußt einen zweiten merianbraunen 32er Passat gesehen….

Ich machte aus der Not eine Tugend. Ich besorgte einen Kotflügel auf dem Schrott und begann das Braun zu interpretieren und lackierte die Karre wie eine braun-gescheckte Kuh.

VW Passaratti Passat BSE

Ich achtete darauf, daß jede Anschlußkante zu den vorderen Kotflügeln weiß war, damit man den anderen auch hätte wechseln könnte und auf dem Kotflügel vom Schrott lackierte ich die Flächen mit schokoladenbraun – natürlich Baumarktlack, natürlich gerollt. Zudem bekam der Wagen noch ein paar Gags.

So waren die Bezeichnungsschilder am Heck angepaßt – waren nur geplottete Aufkleber, aber das taugte.

Volksplagen Passaratti BSE

Durch den Kühlergrill ragte eine Kuh.

Kuh im Kühlergrill

Eine ähnliche Kuh landete am HBZ, der Luftfilterdeckel war weiß lackiert mit einem Milchettiket drauf und die Kühlerpappe habe ich durch ein weiß lackiertes Blech mit der Aufschrift Kuh-Pee ersetzt.

Motorraum Passaratti BSE Kuh-Pee

Das Blech hatte noch eine andere Funktion: Das versteckte den Außenlautsprecher. Im Handschuhfach hatte ich da so ein kleines Gerät. Das konnte neben diversen Sirenen und Durchsagen übers Mikro vor allem eines: Tierstimmen. Und ja, es war auch ein Kuh Muhen dabei.

Sirene

Die Spiegel versetzte ich nach oben an den Türrahmen, wie ich es bei Käfern und Hot Rods so cool fand – der Bierdosenhalter war nur bei Autotreffen an der Fahrertür.

Hot rod spiegel am VW Passat

Und was sieht man noch schön auf dem Bild – ja, der Wagen hatte Ausstellfenster ab Werk. Einem Detail, das ich damals nicht besonders spektakulär empfand, denn der 1978er 32er, den mein Vater einmal fuhr, hatte die schließlich auch.

Der Wagen war in dem Outfit natürlich bekannt, wie ein bunter Hund eine bunte Kuh. Er hatte so einen gewissen Freibrief durch den Niedlichkeitsfaktor. Wie eine angeschossene Sau durch die Stadt brettern, Leute schneiden und danach neben der betroffenen Person an der Ampel stehen provoziert lautes Fluchen der anderen Seite. Wenn man dann aber achselzuckend den Knopf im Handschuhfach betätigt und das Auto „Muh“ schreit wich das meist einem Lachen.

Nur weil der Wagen relativ wenig gelaufen hatte, war das keine Garantie gegen Pannen – sie hielten sich aber wirklich in Grenzen. Nur der Vergaser machte Anstalten bei der Heimfahrt von einem Treffen – ich denke, das war das VW Forum 96. Ich blieb gleich 2x wegen des Vergasers liegen. 1x half mir einer aus der Passat Kartei, das zweite Mal war es so spät nachts, daß ich mich nicht mehr traute, einen Bekannten anzurufen. Also holte ich den ADAC. Der reparierte den Wagen und stellte mich vor 2 Alternativen: Entweder ich müsse die Pannenhilfe bezahlen, oder ich trete in den ADAC ein. So wurde ich an der Autobahn nachts um 2 Uhr Mitglied im ADAC – eine Entscheidung, die ich bis zum heutigen Tag nicht bereut habe.

Apropos VW Forum: zu dem Treffen wurde der Wagen noch besonders geschmückt: Ich klebte einen Schwanz hinten an die Heckklappe und habe einen rosa Gummihandschuh aufgeblasen und unters Auto gebunden. Meine Kuh hatte 5 Zitzen :.

Ich war damals Student. Ich studierte an der FH Mainz, was natürlich nicht ausschloß, auf den Unicampus zu fahren und dort an Unifeten zu partizipieren. Und an einem Donnerstag war ich als Fahrer dran. Auf dem Campus ist Schrittgeschwindigkeit angesagt – aber nachts um 3 Uhr – who cares? Keine Ahnung, wie schnell ich war, aber man merkte, daß ich den Campus nicht kannte, als mein Beifahrer plötzlich die Gesichtsfarbe verlor und laut das Schreien anfing. War irgendwas, wie S-C-H-R-A-N-K-E!

Ich hatte vergessen, daß die Uni eine Schranke zur Ausfahrt hatte. Die öffnete automatisch, wenn man langsam ranfährt. Ich war schneller, obwohl ich voll in den Eisen stand. Und ich schaffte es um Schamhaaresbreite nicht ganz, den Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Die Schranke öffnete, jedoch noch nicht weit genug. Ich streifte sie mit dem Windschutzrahmen und das Ding knalle mir eine Delle ins Dach. Hmmmpf. Nennen wir es ehrlich erworbene, heldenhafte Kampfspur.

Weiter geht?s im zweiten Teil des Berichts…

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Das Horch Schlachtschiff 100

Als ich mir meinen Audi 100 kaufte, war die Wunschliste, was ich noch so alles mal fahren wollte noch länger – obwohl. Nein, das ist falsch, auch wenn ich einige Wagen inzwischen abgehakt habe, es kommen ja leider immer wieder andere dazu.
Auf jeden Fall stand auf der Liste der Audi 100 Typ 43. Und es gab Zeiten, da bekam man so einen tatsächlich für n Appel und n Ei. In Zahlen ausgedrückt: 900,-DM. Und das mit ansehnlichem Rest-TÜV.

Audi 100 5S Typ 43

Es war sogar ein begehrter 5ender, genauer gesagt ein 5S, also mit Vergasermaschine, 4gang Schalter, Baujahr 1980 mit sehr überschaubarem Rost. Lediglich die hinteren Radläufe waren angefressen. Wer noch nie in einem ollen Audi 100 gesessen war – das ist durchaus eine stattliche Limo, man steigt auf vom Fahrer zum Kapitän auf. Geld für eine Mörderanlage hatte ich nicht. Ich klemmte einfach an das verbaute Radio 2 Aufbaulautsprecher und verklebte die mit Spiegelklebeband auf das leider an mehreren Stellen bereits eingerissene Armaturenbrett.

Armaturenbrett Audi 100 Typ 43

Leider sieht man das Radio nicht – das war noch eines mit links und rechts dem Drehknopf. Es fehlten so ziemlich alle Blenden, der Balken, der den Radiosender anzeigt, hing frei im Raum, die Skalierung fehlte. Aber es funktionierte. Das fand ich so grandios, daß ich es genauso lies und kein anderes Radio einbaute, obwohl ich noch so einige rumfliegen hatte.

Aufs Heck kam die Bezeichnung Horch Schlachtschiff 100 – wir wissen ja alle, daß das Wort „Audi“ die lateinische Übersetzung von „Horch“ bzw. „Höre“ ist. Und da ich Latein in der Schule gehaßt habe, mich die Sprache 1 Jahr meines jungen Lebens gekostet hat (8. Klasse Gymnasium Reloaded), war es nur konsequent, da die deutsche Bezeichnung draufzuschreiben.

Heckansicht Audi 100 Typ 43 5S

Als ich mit dem Wagen in meiner alten Heimat war und das chaotische Büro von Freunden („Ultrance“ in Kulmbach) besuchte, mußte ich ziemlich eng einparken. Es waren einfach nicht ausreichend Parkplätze da. Sehr zum Ärger des gegenüberliegenden Bewohners, oder war das ne Firma? Ich weiß es nicht mehr genau, nur, daß derjenige, der da aus seiner Ausfahrt mußte alles war, nur sicherlich nicht nüchtern. Und eh ich es mich versah, hatte er mir eine Heckleuchte zerstört. Als ich zum Wagen eilte, kam nicht etwa eine Entschuldigung, sondern ich bekam erst einmal einen Zusammenschiß, wie ich da parken könne, da wäre es ja verboten. Genau aus diesem Grund holte ich dann nicht die Polizei – zumal er versprach, die Leuchte zu bezahlen, wenn ich eine vom Schrott holen würde. Eine neue lohne ja nicht bei dem ollen Auto.
Ab und an ist man ein Schaf und macht das eben so. Also nach Budenheim zum Schrottplatz und eine Audi 100 Heckleuchte geholt. Und natürlich die verkehrte. Ich bekam eine Vorfacelift, ich hatte aber einen Nachfacelift. Daß es da Unterschiede gab merkte ich erst, als ich die Leuchte wechseln wollte. Zurück zum Schrottplatz, mir den nächsten Anschiß holen. Und mein Geld – denn eine passende Leuchte hatte er nicht. Was nun? eBay hat alles – nur gab es damals kein eBay. Was haben wir heute durch das Internet doch für gute Möglichkeiten der Ersatzteilsuche. Ich wußte aber, daß ein damaliger VW Händler, der heute ein Skodahändler ist, einen Audi 100 abgemeldet hinter dem Gebäude stehen hatte. Ich fragte frech, ob da ne Heckleuchte zu haben wäre und hatte Glück. Der Mann von der Ersatzteiletheke brach mit einem Schraubenzieher das Schloß auf und ich konnte gegen eine Spende in die Kaffeekasse die Heckleuchte mitnehmen.

So gut der Wagen noch im Blech war, so fertig war die Maschine. Scheiße, war die ausgelutscht. Und sie fing an RICHTIG zu zicken. Lauwarm war seine Betriebstemperatur – kalt und richtig warm mochte er nicht.

Front Audi 100 5S Typ 43

Sprich, wenn er kalt war, sprang er nicht an. Und wenn er mal warm geworden war, ging er ab und an auch mal unmotiviert mitten auf der Kreuzung aus und sprang erst wieder an, wenn er ein wenig abgekühlt war. Erstes Problem löste ich damit, daß ich grundsätzlich am Hang parkte und den Wagen anrollen lies. Leider ließ sich das nicht immer realisieren. So kam es zu so skurrilen Situationen, daß ich nach einem Discobesuch mitten im Winter hilflos an der Karre stand und leierte. Glücklicherweise war die Disse an einem Autohof und da machte gerade ein Konvoi der Bundeswehr Pause. „Herr Unteroffizier, ich habe auch gedient – könnten nicht ein paar Kameraden schieben?“ – sie schoben.
Neben den Startschwierigkeiten kam der Ölverbrauch dazu. Der Wagen brauchte in der Woche min. 1 Liter Öl – egal, ob man fuhr oder nicht. Der Wagen funktionierte offenbar mit Verlustschmierung.
Werkstatt hatte ich keine – ok, in der alten Heimat die Doppelgarage, aber die war 350km weit weg – und wie schon erwähnt, das Internet hatte bei mir noch nicht Einzug gehalten. Heute fragt man sich in Foren durch, wenn man nicht weiter weiß, die Option gab es damals noch nicht. Ich bin erst online seit Ende 1995. Und Ende 1995 war das mit den Foren natürlich noch lange nicht so ausgebaut, wie heute. Da wurde ich noch als Freak bezeichnet, als ich mich geoutet habe, daß ich online bin…

Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem mehrere Nachbarn sich über die Ölgemälde auf der Straße beschwert hatten, mußte die Karre dringend weg. Ich hatte gehört, daß die alten Audi 100 Typ 43 in Russland wahnsinnig beliebt wären. Hielt das für dummes Geschwätz. Und als ich den Wagen inseriert hatte, wer kündigte sich an? Ein Russe.
Wir trafen uns an einem neutralen Ort, ich wollte nicht, daß der die Ölflecke sieht und auch sollte der Motor mittelwarm sein. Probefahrt lief super, der Wagen hat sich noch einmal zusammengerissen und den Käufer interessierte eigentlich nur, ob die Musik geht. Schließlich wolle er mit dem Auto nach Russland fahren auf eigener Achse. Mutiges Unterfangen. Ich ließ mich auf 500 DM runterhandeln und weg mit dem Wagen.

Der Horch war nur 4 Monate bei mir. Leider. Ich finde nach wie vor, daß der Typ 43 einer der schönsten jemals gebauten Audis ist…

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Das zweite Leben des Pappsatt

Das Triefauge hatte den TÜV nicht mehr bestanden, ich brauchte ein neues Auto. Aber ich hatte ja noch 2 Wagen rumstehen. Den TL und den Pappsatt – wieso eigentlich den nicht reaktivieren? Ach ja – der Versager war am Sack, zudem der Endtopf durch, aber sonst? Ich beschloß, den Wagen einfach so, wie er war, stumpf zum TÜV zu fahren. Ich hatte ja mal angefangen, den Wagen zu lackieren, wenn Ihr die Berichte von den Autotreffen gesehen habt, habt Ihr vielleicht ne Grundahnung, wie ich auf die bescheuerten Farben gekommen bin – das war damals einfach in.

VW Passat 32B Formel E 1982

Der Wagen brauchte einen neuen Brief, da er länger als 2 Jahre abgemeldet war. So war das damals eben. Untersuchung nach ?21. Natürlich schaffte er weder HU noch ASU. Ich ließ mir eine Mängelliste schreiben und ging damit zu einer freien Werkstatt und lies die Liste abarbeiten. Endtopf, ein Bremsschlauch, Schwellerenden schweißen und ASU hinmogeln.

Bis auf die ASU wär das mit meinen heutigen Möglichkeiten Kinderkacke gewesen, das selbst zu erledigen. Aber ich bin eben ein Spätentwickler 😉

Frisch repariert ging?s wieder zum TÜV. Ich brauchte den Wagen abends für einen DJ Job, aber schnell zum TÜV und dann zur Zulassungsstelle – das war kein Thema. Wenn ich nicht einen anderen Prüfer bekommen hätte, als den Mängellistenschreiber.

VW Pappsatt

Der Prüfer hakte Punkt für Punkt der Mängelliste an und meinte dann, das wäre ja ein altes Auto, da wolle er nochmals das Fahrwerk checken. Wie jetzt? Das hatte doch der Kollege schon… Er fand auch etwas. Ich weiß garnicht mehr sicher, ob Querlenker, Spurstangenkopf – irgendetwas in der Art. Nö, so nimmt er das nicht ab. Schockschwerenot. Ich brauchte das Auto an dem Tag. Es war irgendwie 10 Uhr vormittags. Um 12 Uhr machte die Zulassungsstelle zu. Nun hieß es Gas geben! Wenn jemand das so schnell reparieren kann, dann ein VW Händler, der könnte die Teile dahaben. Mit Vollgas durch Mainz – wenn da ein Blitzer gestanden wäre – nicht auszudenken. Aber ich hatte es etwas eilig.
Ich kannte 3 VW Händler in Mainz – klar, daß erst der dritte Zeit hatte und die Teile vorrätig. Und sie hatten Verständniß für meine Situation – was ein Glück! Schnell repariert und wieder mit Vollgas zum TÜV. Klar, daß da jetzt ne Riesenschlange stand. Zum Prüfer gehechtet, der lies mich vor, nahm die Reparatur ab. Meine Nerven. Aber man kann die noch weiter strapazieren. Das machte dann die Tante beim TÜV, die den neuen Brief schreiben mußte. U-Kat eintragen, wo schreibt man das hin? AHHHGRRRLLLL! Ist das eigentlich Notwehr, wenn man in der Situation der Dame einen leichten Schlag auf den Hinterkopp gibt?

Die Zulassungsstelle in Mainz Gonsenheim ist direkt neben dem TÜV und 5 Minuten vor 12 stand ich da dann und sie nahmen mich noch dran. Puh! Ich hatte wieder ein Einsatzfahrzeug.

Vielleicht kann ich an der Stelle erklären, warum ich ihn Pappsatt getauft hatte – das stand hinten auf dem Wagen. Ich hatte diverse Passatschriftzüge und suchte irgendeine lustige Bezeichnung, die man aus den Buchstaben basteln konnte. Heraus kam der Pappsatt CLGLSLSL:

Pappsatt CLGLSLSL

Hersteller war auch ein anderer 😉

KLEWAGEN

Als ich diese furchtbare Lackierung angefangen hatte, waren noch 2 Farben mehr geplant – ich habe die Lackierung nie vollendet. Das Sammelsurium schreiender Farben habe ich immer noch – vermutlich inzwischen eingetrocknet. Der Pappsatt war im wahrsten Sinne des Wortes eine Alltagsschlampe, das Outfit war mir langsam einfach egal. Hauptsache er fuhr. Er bekam einen anderen Versager und damit lief er auch wieder anständig. Und es war ein Passat, irgendwelche Pannenstorys kann ich nicht berichten – er fuhr einfach. Und er wurde weiterhin nicht geschont, war auch als Lastentransporter unterwegs. Schön z.B. die Aktion, als wir gemeinsam an unserem Studentenwohnheim das Balkongeländer erneuert haben. Das Material mußte der Pappsatt schleppen – und da war so ein langer Handlauf dabei. Ich weiß die Maße nicht mehr, aber der Transport war abenteuerlich.

Transport überlanger Ladung

Man achte darauf, was da auf den Flanken des Wagens steht…
Die Felchn auf dem Wagen waren übrigens die 5,5J13 Golf GTI Felgen, die ich schon auf dem Scirosto hatte. Mein Vater hatte den Wagen damals mit den schmälsten Rädern geordert, das waren 165/13 auf 5J13 – ich fuhr die 185/70/13 „Breitreifen“ und hatte damals tatsächlich keine anderen 5,5er Felgen. Eine Schande, daß ich die mit dem Wagen weggegeben habe >:XX

Ein Freund von mir sagte mal den weisen Satz:

Der Opel Kadett E liegt auf dem Schrott, weil er durchgerostet ist, der Golf 2, weil ihn der Besitzer nicht mehr sehen kann.

Der Passat 32B fällt ebenfalls in diese Kategorie der unkaputtbaren Autos. VW baute in den 80ern einfach die ausgereiftesten Autos, ab dem Golf 3 und dem Passat 35i wurde die Qualität schlechter.
So war der Grund, warum ich den Pappsatt nach nur einem Jahr wieder abgestoßen aus heutiger Sicht vollkommen lächerlich. Bei einem Tachostand von ca. 198.000km verreckte einer der vorderen Stoßdämpfer – ich denke, das waren noch die ersten. Der Dämpfer war nicht ausgelutscht, sondern komplett undicht und ohne jegliche Funktion. Es federte nur noch die Feder. Lustig bei Bodenwellen, wenn der Wagen auf einer Seite voll einfedert. Kein großer Akt für mich heutzutage, das is schnell gewechselt. Aber ich hatte irgendwie keinen Bock mehr auf die Karre, ich dürstete nach einer Veränderung. So inserierte ich den Wagen. Er fand auch schnell einen Käufer – ein Auto mit 1 Jahr TÜV für 300 DM – das war ne Ansage, wenn ich mal so drüber nachdenke. Dem Käufer gefiel auch der ganze Nippes am Wagen – das war ein Käferfahrer, der den Pappsatt danach als Winterauto nutzte.

Andere Käferfahrer, die ich Jahre später kennenlernte, fragten mich später, ob mir mal so ein widerlich grüner Passat gehört habe. Da stand Fusseltuning auf den Flanken, der könnte doch nur von mir gewesen sein…

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3. Internationales VW Forum Castrop Rauxel 1993

Mit dem Triefauge war ich beim VW Forum 1993 im Ruhrpott. Getroffen habe ich mich da mit der Passatkartei – es hatte lange Zeit Tradition, daß ich nie mit einem Passat mit den Mitgliedern der Kartei traf. Und wir hatten viel Spaß da. Es war das „Claudia“ Treffen. Olaf oder ich kamen auf die Schnapsidee, daß wir Claudia suchen sollten. Also liefen wir nachts immer über den Platz und schrien uns die Seele aus dem Leib nach Claudia. Wir öffneten Zelte, hoben Campingstühle hoch und suchten überall Claudia. Ach ja – es gab „diese“ Claudia garnicht. Aber wir hatten unseren Spaß.

Apropos Spaß – wenn ich die Bilder dieses Käfers sehe, muß ich mindestens mal grinsen – was ein Geschwür:

VW Käfer Spoilermonster

Auch der Heckflügel: G-R-A-U-S-A-M.

Heckflügel VW Käfer

Ich hatte ernsthaft daran gedacht, meinen Künstlernamen zu ändern, nur weil dieses „Ding“ KLE auf dem Kennzeichen stehen hatte :.

Vermutlich aus derselben Schmiede, wie der pinke „Tapir“, stammt der „Flip“ ein gelber Käfer mit Flügeltüren und einem ähnlichen Overflow an GFK.

VW Käfer Flügeltüren Flip gelb GFK

Kreativ ist das ja schon und sicherlich handwerklich ganz gut gemacht – aber Geschmackssicher? Offenbar hatte der Bock ein Flipheck – denn eine normale Klappe vermißt man.

VW Käfer Flügeltüren Flip gelb GFK

Das Highlight des Treffens war wohl dieses VW Karmann Ghia Typ 34 Cabriolet – sollte ein Eigenumbau sein, denn von VW bzw. Karmann gab es nur einen Prototyp.

VW Karmann Ghia Typ 34 Cabriolet

Die Firma Schmeling kam mit einem Scheunenfund zum Treffen. Wunderbare Patina…

VW Käfer Ratte

Sowas sah man früher häufiger – das ist kein Brezelfensterkäfer.

Fake Brezelfensterkäfer

Dafür sind die Holme irgendwie zu schmal…

Fake Brezelfensterkäfer

Das hier könnte ein alter Bekannter sein – Kübel mit selbstgebauten Kotflügeln und Elefantenfuß-Heckleuchten, da war doch was?

VW Kübel 181 Eigenbaukotflügel

Das könnte der hier sein, ein Bild von 2009

VW Kübel 181 Eigenbaukotflügel

Diesen Typ3 hatte ich auch schon in der History – bei dem Typ3 Treffen in Freilingen war der noch pink.

VW Typ3 Callook

Im Heck steckte übrigens ein Typ 4 Motor mit stehendem Porschelüfter.

VW 1600 mit Typ 4 Motor

Apropos Fremdmotoren – Motorenumbauten in Käfer & Co. waren damals auch schon an der Tagesordnung. Da gab?s z.B. Ford V6 Motoren:

VW Käfer Ford V6

VW Käfer Ford V6

Wasserboxer aus dem T3 Bus

VW Käfer Wasserboxer Motor

Typ 4 Motoren mit Porsche Lüfterrad

VW Käfer Typ 4 Porschelüfterrad

Oder auch Motoren, wo ich mir heute nicht ganz sicher bin, was das eigentlich nochmal war:

VW Käfer Streaker Cabrio

Aus dem Hause Baumeister, aus dem auch der Passat GLI mit 16V Maschine ist, stammt dieser VW 411 Variant.

VW 411 Variant Custom

Für mich ein besonderer Wagen, mein Vater hatte auch mal einen 411 Vari.

VW 411 Variant

Der von meinem Vater war aber 100% original und nach wenigen Jahren an den ersten Stellen durchgerostet. Und der hatte natürlich kein so feines Lederinterieur.

Innenausstattung VW 411 Variant Leder

Auch damals selten: Eine 411 Limo.

VW 411L

Ein Passat 32B Variant mit damals typischem Umbau – die Farbe ist grausam, aber da ist nicht nur die Heckklappe geändert – die hinteren Radläufe sind typisch für die damalige Zeit verbreitert – das sollten Golf 1 Radläufe sein.

VW Passat 32B Custom

Dafür würde man heute erschossen: VW T1 Samba Bus entchromt und in schreienden Farben:

VW Bus T1 Samba Callook

Porsche 911 Kühlergitter auf Käfer Motorhaube

Porsche 911 Kühlergitter auf Käfer Motorhaube

Topchops waren voll im Trend – mir sind 3 vor die Linse gelaufen.

VW Käfer Topchop

VW Käfer Topchop

VW Käfer Topchop

VW Käfer Topchop

Speedster gab´s auch einige.

VW Käfer Speedster

VW Käfer Speedster

Hatte ich schonmal erwähnt, daß ich irgendwann nochmal einen Speedster aufbauen will? Ich hab da so nen Umbauplan im Kopp, der irgendwann mal realisiert werden sollte. Aber das hat Zeit…

VW Käfer Speedster

Weitere Bilder von dem Event in der Galerie.

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Das Triefauge – Jeanskäfer von 1982

Wie ich zu dem einzigen Käfer gekommen bin, den ich bisher gefahren habe, hatte ich ja schon berichtet – er kam im Tausch gegen den VW 1600 Variant. Ich hatte zu der Zeit kein angemeldetes Auto und das Triefauge änderte diesen Zustand. Wieso ich ihn Triefauge getauft habe, erklärt sich, wenn man die Höhe der vorderen Scheinwerfer vergleicht.

VW Käfer Mexiko rot

Der Wagen hatte mal einen Unfall und der Vorbesitzer hat irgendeinen Kotflügel drangemogelt. Keine Ahnung, ob ein sehr sehr schlechtes Reproteil, oder einfach vom verkehrten Baujahr – auf jeden Fall war der Scheinwerfer deutlich niedriger, als auf der anderen Seite. Aber irgendwie paßte das, der Scheinwerfer leuchtete dahin, wo er sollte, der Wagen hatte 1,5 Jahre TÜV, bremste, lenkte, fuhr…

Es war ein Sondermodell „Jeanskäfer“. Bedeutet: Die Sitze waren mit Jeansstoff bezogen und seitlich war ein Dekor an den Flanken.

VW Käfer Mexico Sondermodell Jeansbug

Vom Jeansstoff hatte ich wenig – die Bezüge waren aufgerissen und irgendwelche bescheuerten Sitzbezüge drauf. Motorisiert war der Bock mit einem ausgenudelten 1200er Serienmotor, wieviele von den 34 Pferden noch da waren? Keine Ahnung, aber er brachte mich von A nach B.

VW Käfermotor 1200ccm 34PS

Ich fing in jener Zeit an, als DJ mit der mobilen Diskothek zu arbeiten für eine Agentur. Bedeutete: Ich mußte nicht nur zu den Veranstaltung hingurken – ich mußte auch die kleine PA mitnehmen. Der Agenturchef fragte bei der Einstellung, ob ich denn auch ein Auto habe, die die Anlage schluckt. Klar: Ich fahre Käfer! Sitzfläche der Rücksitzbank raus, Anlage rein – das ging tatsächlich. Bei einem Polterabend mußte ich noch 2 Lichttraversen mitnehmen, da war dann auch kein Beifahrersitz mehr drin. Der Partyservice, der die Veranstaltung organisierte fragte mich, wann der Transporter mit der Anlage kommt und war erstaunt, als ich alles aus dem Triefauge knotete. Der Chef der Agentur gibt glaube ich immer noch damit an, daß die kleine Anlage sogar in einen Käfer paßt.

Ich war mit dem Käfer natürlich auch auf Treffen, wie z.B. beim VW Forum in Castrop Rauxel. Natürlich wollte ich da nicht mit ner serienmäßigen Schleuder auftauchen. Also bekam der Wagen Scheinwerferschirmchen:

Scheinwerferschirmchen McDonalds

Ich hatte die Pappsonnenschirmchen mit transparenter DC Fix Folie bezogen – das hielt ein paar Wochen. Das McDonalds Fähnchen hielt nur bis zur Autobahnauffahrt – dann brach die Antenne ab :.

Natürlich durfte ein wenig Auspufftuning auch nicht fehlen. Ich befürchte, daß das die Leistung eher gedrosselt hat – aber Leistung hatte er ja eh nicht…

Bierdosenauspuff

Während der Zeit, als ich das Triefauge fuhr, starb Heinz Rühmann. Und natürlich knotete ich einen Trauerflor an die Antenne. Hat aber irgendwie keiner geschnallt, was das zu bedeuten hat. Also besorgte ich ein Bild von Heinz Rühmann und pappte es mit den Worten: „Heinz ist tot“ an die Windschutzscheibe. Es soll Leute gegeben haben, die mich damals mit „Heinz ist tot“ begrüßten.

VW Käfer Mexico 1982

Unter der Woche fuhr ich täglich mit dem Wagen zur FH. Auf der Strecke gab es eine geile rechts/links Schikane über Straßenbahnschinen. Ich machte es mir zum Sport, diese Schikane immer enger und sportliche zu nehmen, bis ich sie irgendwann dann zu eng nahm. Da stand so eine rot/weiße Barke – Betonung auf „stand“. Meine kleptomanisch veranlagte hintere Stoßstange wollte die Barke behalten. Ergebnis: Die Barke war ab, Triefauge drehte eine Pirouette, die Stoßstange war verbogen, der hintere Kotflügel deformiert und auf der Gegenfahrbahn schepperte es. Moment. Es schepperte? Das war die Radkappe, die einen Ausflug über die Straße gemacht hatte und der Gegenverkehr rauschte munter drüber. Die Radkappe hängt heute als Souvenir bei mir im Flur…

Irgendwann hatte ich den TÜV runtergenudelt, der Wagen hatte so seine Schäden, ich zweifelte daran, ob er es noch schafft. Ein Kumpel meinte, ich solle zu seiner Werkstatt kommen, da wäre der TÜV kein Problem. War es doch. Als der Wagen auf der Bühne war, tropfte der Motor kein Öl – es floß ein Rinnsal Öl auf den Werkstattboden. Der Prüfer sah mich an und fragte, ob ich das ernst meine, verweigerte mir die Plakette. Was ein Spießer.

Ich entschied den Wagen abzugeben, verkaufte ihn für 250,- DM. Eigentlich viel zu billig, von der Substanz war der Wagen soweit in Ordnung. Er ging meines Wissens nach nach Polen.

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1. Passattreffen der Passat Kartei Deutschland 1992 in Schrobenhausen

Die Passat Kartei Deutschland war noch relativ jung, als 1992 das erste Passattreffen ausgerufen wurde. Und es war recht unkonventionell organisiert, genauer gesagt fand es auf dem Grundstück hinter dem Haus der Eltern vom Lalli statt. Lalli „opferte“ sogar seinen (so gekauften) geschlossenen 33er Variant als Wegweiser.

VW Passat 33 Variant 2türer geschlossener Kasten

Ein gewisses Opfer stellte dies tatsächlich dar, ihm wurden vom „Wegweiser“ die wertvollsten Teile nachts geklaut: Die Räder. Das Ganze war nicht riesig – man könnte auch sagen, es war exklusiv. Die Scene an Passat 32/33/323B Schraubern ist auch heute nicht übermäßig groß – damals steckte sie noch in den Kinderschuhen.

VW Passattreffen 1992 Schrobenhausen

Ich war bei dem Treffen übrigens mit dem Dacia – was überaus praktisch war. Das Panoramafoto entstand stehend auf meinem Autodach – und fast jeder stand einmal auf dem Dach… Und viele, die damals dabei waren, sind heute noch am Start, wie z.B. die Aalener Fraktion – von den Junx habe ich den Goldfinger damals gekauft.

VW Passat Chrommodell

Auch damals schon am Start: Michael Grinda mit seinem Chrompassat mit GLI Technik.

VW Passat Chrommodell GLI

GLI Maschine in VW Passat Chrommodell

Der Wagen existiert heute noch – nahezu unverändert.

VW Passat Urmodell GLI Michael Grinda

Der Wagen von Michael Baumeister existiert heute ebenfalls noch – wobei er kaum noch bewegt wird.

VW Passat 33 Variant GLI Michael Baumeister

Den Wagen hat sein Vater als Neuwagen gekauft. Es ist ein originaler VW Passat GLI gewesen – davon war aber schon damals keine Spur mehr – er war umgebaut auf einen 16V Motor.

16V Motor in VW Passat Variant

Das Armaturenbrett war Eigenbau, mit Leder bezogen und mit Porscheinstrumenten.

Porsche Armaturenbrett im VW Passat GLI

Ich habe irgendwo eine Briefkopie von dem Wagen – die hinteren Federn waren mit der Flex gekürzt – und das genau so vom TÜV eingetragen!

Tieferlegung VW Passat GLI

Schade, daß man den Wagen nirgendwo mehr sieht. Michael meint, der (originale) Lack hat für seinen Geschmack zuviel Macken, als daß er damit auftaucht. Er ist eben Perfektionist. Auch hier war ein VW Passat Pickup – eine Eigenbau. Verbleib unbekannt.

VW Passat 33 Zwimo Variant Pickup

Er kam in Begleitung eines Varis in gewagter Farbkombi – macht aber einen schlanken Fuß. Beide übrigens mit 14 Zoll Stahlfelgen vom Passat 32B.

PKD Treffen 1992

Schon 1992 häßlich: Die Farbe Manilagrün.

VW Passat 32 Zwischenmodell manilagrün

Der Besitzer meinte damals, er lasse ihn absichtlich manilagrün – irgendwann hat er den letzten. Ein frommer Wunsch… Mittendrin in der Masse der türkis-metalicfarbene 32B Vari von Olaf mit Quantum Front in der nächsten Evolutionsstufe.

PKD Treffen Schrobenhausen 1992

Als ich Olaf beim VW Forum kennengelernt hatte, war da noch die Serienmaschine drin. Inzwischen hatte es sich im Motorraum etwas verändert.

Motor VW Passat 32B

Noch ein alter Bekannter: Der Passat 32B Stufenheck von Holli – er fährt den Wagen noch heute im Alltag, nahezu unverändert.

VW Passat 32B Stufenheck Holli

Damals waren Passat 32B noch junge Gebrauchte – Neuwagenscheiße würde ich sie heute nennen. Davon waren auch viele da – ich habe nur noch diese zwei fotografiert:

VW Passat 32B Variant GT

VW Passat 32B Fließheck Tuning

Ich stand wohl schon damals mehr auf die 32er Passat, obwohl es noch ein paar Jahre dauern sollte, bis ich meinen ersten hatte.

VW Passat Urmodelle

Wenn ich mich recht erinnere, fuhren wir damals noch mit der S-Bahn zum Oktoberfest nach München und machten auch eine gemeinsame Ausfahrt. Das war so das Treffen, wo viele sich kennengelernt haben, die bis heute gemeinsam in Sachen Passat aktiv sind – zumindestens die alten Säcke unter uns :.

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Der Lavamat Injection: UAP Dacia 1300 Bj. 1974

Heute kennt die rumänische Automarke Dacia jedes Kind. Billigautos aus dem Ostblock. Aber Dacia ist keine Erfindung der Neuzeit, Dacia gibt es schon lange und in der DDR war ein Dacia durchaus eines der besseren Autos.

Mein 1974er UAP Dacia 1300 war so ein Ex-DDR Auto. Er gehörte ursprünglich einem Arbeitskollegen in der Firma, in der ich Ferienjob machte. Der, oder seine Freundin, so genau weiß ich das nicht mehr, rutschte mit dem Wagen in den Straßengraben und verkaufte das Auto an den nächsten Arbeitskollegen für 250,- DM. Der reparierte den Unfallschaden leidlich, das Glas des Scheinwerfers auf der Fahrerseite klebte er einfach mit Pattex und rollte den ehemals blauen Wagen schwarz. Er wollte ihn anmelden, sah aber ein, daß er sich als Alleinverdiener mit 2 Kindern keinen Drittwagen leisten konnte. Der Wagen mußte weg. Und da DDR Autos im ehemaligen Zonenrandgebiet nun wirklich keine Sau haben wollte, konnte ich ihn für 280,- DM schießen. 8 Monate TÜV waren damals noch auf dem Konto. Ab da fuhr ich also einen rumänischen Renault 12 Nachbau.

UAP Dacia 1300 1974

Ich fand ihn damals nicht hübsch und ehrlich gesagt, auch heute finde ich die Form nicht wirklich gefällig. Aber er war schräg, ein Randgruppenauto und das machte ihn sympathisch. Ich veränderte sogar kaum etwas an dem Auto. Ich lackierte nur den Unterfahrschutz in Gelb – die Fläche hinterm Kühlergrill machte ich später auch noch schwarz, davon habe ich aber leider kein Bild.

Lackierter Unterfahrschutz

Hinten bekam er die Bezeichnung „AEG Lavamat Injection“. Wer es nicht kennt: Der AEG Lavamat war eine Waschmaschine. Das war nicht etwa geplottet, soweit war ich damals noch nicht. Ich setzte das damals auf dem Computer mit Corel Draw! 2.0, druckte es spiegelverkehrt aus, klebte es auf die Rückseite von DC-Fix Folie aus dem Baumarkt, schnitt Buchstabe für Buchstabe mit der Nagelschere aus und klebte Buchstabe für Buchstabe auf.

AEG Lavamat Injection

Auch wenn der Wagen Baujahr 1974 war, der Innenraum versprühte den Charme eines 60er Jahre Autos. Da fand ich den richtig hübsch.

Armaturenbrett UAP Dacia 1300 1974

Der Dacia war von Anfang an Allround Einsatzfahrzeug. Wenn man in Oberfranken wohnt, Anfang 20 ist und gerne in Discotheken geht, dann muß man Kilometer schrubben. Auch dieser Wagen stand verstärkt vor Discotheken – immer möglichst nahe am Eingang. Damals hatten wir so einen Heinz Rühmann Tick. Legendär die Einsätze zusammen mit meinem Kumpel Essig. Im Eiltempo nach Kronach/Oberfranken, so daß wir noch vor 22 Uhr an die Tankstelle kamen, um uns eine Dose „Faxe“ zu holen. Weiter ging?s zur Diskothek „Sunset“ in einem Kaff bei Kronach – von uns liebevoll „Schweinebucht“ genannt. Die Sitzfläche der Rücksitzbank herausgenommen und auf den Dachgepäckträger geworfen. Und da saßen wir dann manchmal den ganzen Abend – es soll vorgekommen sein, daß wir garnicht in der Disse drin waren. Und dabei lief den ganzen Abend eine Heinz Rühmann Kassette. Hach, war das herrlich krank. Bei schlechtem Wetter war der Innenraum genial.

Innenausstattung Dacia 1300 1974

Die Sitze ohne Kopfstützen konnte man komplett umlegen, wenn man sie nach vorne schob und hatte dann eine durchgehende Liegewiese. Ich habe auch mehrmals in der Karre übernachtet. Irgendwann drohte der Wagen seinen Endtopf zu verlieren. Endtopf für einen UAP Dacia 1300? Sowas hatte der Stahlgruber nicht. Ehrlich gesagt, wäre das auch uncool gewesen. Im Schein stand unter Geräusche mit einem herrlichen Buchstabendreher „kerine Werte vorhanden“ – wenn das kein Freibrief war, was dann? Und es ist ja bekannt, daß in der DDR improvisiert wurde ohne Ende. Beim lokalen ATU hatten sie eine Gitterbox im Laden stehen mit neuen Sportendtöpfen ohne TÜV, Stückpreis 50,-DM. Ohne Papiere will sowas ja keiner haben, aber wenn man kerine Werte hat? Kurzerhand wurde so ein Topf drunter gebraten – gestört hat das nie einen. Gebracht hat es außer der Optik auch nix – egal. War billiger als ein Serientopf, wenn man denn einen bekommen hätte. Kontrolliert wurde ich mit dem Wagen übrigens nie – wohl aus Mitleid :. Ich hatte den Wagen noch, als ich im Oktober 1992 in Mainz das Studieren begann. Und natürlich fuhr ich auch meinen Umzug mit dem Wagen – alles im Kofferraum und auf dem Dachgepäckträger. Es geht, wenn man will. Zugegeben – damals war mein Hausstand noch nicht sehr umfangreich. Und wie das so ist, wenn man das Studieren beginnt: Die guten Freunde sind daheim und so wurde jedes 2. Wochenende in die Heimat gefahren. Der Dacia mußte bei jedem Wochenendtripp über 700km fressen. Und das eigentlich immer Vollgas ohne Rücksicht aus Verluste. Inzwischen waren beide hintere Federn gebrochen – wenigstens beidseitig ungefähr auf gleicher Höhe. Der Wagen stand gerade und das Fahrverhalten veränderte sich eigentlich nicht wirklich.

UAP Dacia 1300 1974

Die Vollgasorgien nahm mir der Motor übel. 1300ccm und 54PS sind eben kein Rennwagen – ich fuhr ihn aber so. Irgendwann zerlegte es die Kopfdichtung. Ich wohnte damals in einer Art Studentenwohnheim und einer der Mitbewohner war Pole. Der brachte mir aus Polen eine neue Kopfdichtung mit. Preis: 5,-DM. Und ich bin mir sicher, er hat daran noch etwas verdient :. Der Wechsel fand auf der Auffahrt zum Studentenwohnheim statt. Ich war ehrlich erstaunt, daß nach der Reparatur der Wagen spontan ansprang. Die Freude war aber von kurzer Dauer. Ich weiß nicht, was ich verkehrt gemacht habe. Damals hatte ich noch nicht den großen Plan, was Autotechnik anging. Vielleicht hatte der Dacia Dehnschrauben, wie VW, die ich mitwechseln hätte sollen, oder meine Angaben des Anzugdrehmoments stimmten nicht. Die Reparatur hielt aber sensationelle 22 km lang, dann war die Dichtung wieder durch. Durch war auch meine Lust an dem Wagen, er nervte in letzter Zeit doch zu sehr mit Unzuverlässigkeit. Zwar war der TÜV noch nicht ganz runter, aber für mich hatte sich das Thema erledigt. Ich meldete den Wagen ab und rief den Schrotti an, er solle den Wagen holen. Wir haben ihn aber noch würdig verabschiedet. Wir waren auf einer Party mit Kleiderordnung, waren im Anzug unterwegs und kamen mit dem Taxi zurück. 4 aufgebrezelte Studenten steigen aus, gehen zu dem Dacia und demolieren den Wagen mutwillig. Schnell nochmal ein paar Dellen reingetreten, auf Dach und Motorhaube rumgesprungen, um dann einfach ohne sich umzusehen weiterzugehen. Am nächsten Morgen war der Wagen weg – der Schrotti hatte ihn geholt. Das war auch besser so – ich hatte noch keine guten Nebenjobs, das Ersparte war aufgebraucht, die Kasse war leer. Wirklich leisten konnte ich mir den Unterhalt des Wagens nicht. In der Folgezeit fuhr ich erst einmal Schwalbe.

Simson Schwalbe

Autos hatte ich zu dem Zeitpunkt gleich drei: Den VW 1600TL, den VW 1600 Variant und den Pappsatt. Aber ich mußte mir ehrlich eingestehen, daß ich es mir ohne Nebenjob einfach nicht leisten konnte, Auto zu fahren. Eine harte Zeit für einen Autojunkie, wie mich…

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