Beschaffungstour de Luxe

Ich hatte den Tipp bekommen, daß im Fränkischen jemand eine Altautoteilesammlung auflöst. Mit dabei: Jede Menge Typ3 Teile. Das machte mich neugierig. Irgendwie sollte da doch billig ranzukommen sein. Die Tour dorthin plante ich schon mehrere Wochen, aber immer kam etwas dazwischen. Ich telefonierte mit dem Besitzer und war mir nicht sicher, ob da ein Schnäppchen lauerte, oder der Verkäufer versucht, damit richtig reich zu werden.

Am vergangenen Freitag war es dann so weit. Ich plante gleich um 15 Uhr loszudüsen. Kam aber alles anders. Ich hatte mit Monsterbacke ausgemacht, daß wir gemeinsam reisen. Gut, der wollte hier in der Gegend noch ein Auto abladen. Geht ja fix. Hinfahrn, runter vom Hänger, Gespann abstellen, wo Platz für sowas ist…

Nach 15 Uhr klingelte das Telefon – er fährt dann jetzt in Wetzlar los. Ääääääh Moment – in Wetzlar? Das kann dauern. Als er dann da war, einmal quer durch Mainz, Auto abladen und wieder zurück. Letztendlich waren wir erst halb sechs on the road. Zeit auf der Piste wieder gut machen war nicht. 32BQP mit 54PS Dieselpferden und 3m-Anhänger – da geht nicht viel. Ich war erstaunt, daß wir den Spessart relativ flott hochgekommen sind.

Die Wegbeschreibung von abacho.de war unter aller Kanone – trotzdem haben wir danach den Weg richtig geraten und es auf Anhieb gefunden. Es grenzte an ein Wunder. Das Ambiente, das wir vorgefunden haben, mit Worten zu beschreiben ist schwierig. Ich hatte leider meine Digicam vergessen.

Der Verkäufer war schon ein schrulliger Typ. Moment. Ich muß mich verbessern: Ein SEHR schrulliger Typ. Er betreibt eine Autoreifenmontageservice, bei dem er für Leute, die knapp bei Kasse sind, gebrauchte Auswuchtgewichte verwendet. Ich dachte immer, das teuere am Wuchten wäre die Arbeitszeit – muß wohl ein Irrtum sein. Die ganze Reifenmontierwerkstatt war mit Trödel vollgestopft und roch förmlich nach 70er Jahren.

Dann durften wir in die Telehalle – oder nennen wir es Schupfen? Auf jeden Fall ein großer Raum bis obenhin vollgestopft mit Altteilen. Die Rosinen hatte sicherlich schon einer rausgepickt, aber was noch da war, war der Hammer. Stapel verchromter Kühlergrille, Berge von Rückleuchten, Tachos, Lichtmaschinenberge, Radkappen – alles in einem heillosen durcheinander. Sperrt mich ne Woche da bitte mal ein und schiebt mir nur Essen und trinken durch die Tür…

Vieles war schon relativ verrottet, man muß nicht alles aufheben. Und wir waren ja wegen der Typ3 Teile da. Die waren nicht nur in dem Schupfen, sondern auch über dem Gelände verteilt. Schön versteckt – der Mann hat Angst vor Dieben. Zwischendrin stand auch ein Schlagzeug und als er hörte, daß Monsti in einer Band spielt, mußte der auf dem Schlagzeug, das in der Reifenmontierhalle eingemüllt ist, einen zum besten geben. Situationen, die einen zweifeln lassen, daß man auf dem selben Planet wohnt. Das Schlagzeug komplett mit Tüchern abgedeckt – soll ja nicht so laut werden, wegen den Nachbarn. Zurück zu den Teilen. Er schlug uns folgende Vorgehensweise vor: Wir sollten raussuchen, was wir brauchen und einen Gesamtpreis nennen. Peter und ich zogen uns zum Gespräch zurück. Schwierig. Viele der Teile sind schon arg angegammelt. Und der Verkäufer schwärmte ständig uns vor, wie teuer er ständig irgendwelchen Krimskrams vergoldet hat. Das gab uns das Gefühl, daß der niemals mit unserem Gebot zufrieden sein konnte. Wir einigten uns auf einen Preis,der uns realistisch erschien und trauten uns kaum, den vorzutragen. Wäre nicht das erste mal, daß wir einem Hänger unser schönes Deutschland gezeigt hätten. Wider Erwarten stimmte der Verkäufer aber mit einem gewissen Aufschlag der Sache zu und sagte, für dne Preis könnten wir neben den herausgesuchten Kleinteilen alles an VW Blechteilen einladen, was wir in den Hänger bekommen – schwerer Fehler, Herr Verkäufer 😉

Also fingen wir an, zusammenzutragen – das Ergebnis hat Monsti mit der Kamera festgehalten:

Wir stapelten und stapelten. Ich fragte dann noch nach Chromringen für Felgen, da nahm ich alle mit, die er hatte – ein wildes Sammelsurium, das ich erst einmal aussortieren muß. Zu dem Zeitpunkt lief er mir schon nach, um sicherzustellen, daß ich nicht noch mehr an mich raffe. Als dann tatsächlich noch ein kleines Eckchen im Hänger leer blieb, machte ich mir den Spaß zu fragen, ob ich noch einmal in die Halle dürfte – wir haben ja noch massig Platz für ein paar Teile. Da war dann plötzlich ne Alarmanlage an der Halle, die aktiviert war und nicht mehr deaktiviert werden könne. Am Arsch die Waldfee, aber wir ließen ihm das durchgehen. War schon ok der Deal und ein paar Sahneteile waren auch dabei. Die Kronjuwelen – 2 wirklich super erhaltene Kurzschnautzer-Kotflügel, waren angeblich schon angezahlt und können deshalb nicht mitgenommen werden. Das selbe erzählte er übrigens auch über ein paar andere Teile, die wir letztendlich doch mitnehmen durften.

Er bot uns noch etwas zu trinken an, was wir zu dem Zeitpunkt dankend annahmen. „Serviert“ wurde das ganze in einem Trinkbecher und einem Becher von einer 5-Minuten-Terrine. Wir waren uns sicher, aus diesen 2 Plastikgefäßen hat schon die halbe Dorfbevölkerung getrunken.

Dann schnell weg da, denn langsam waren wir von den Reden des Verkäufers doch etwas angenervt. Der Mann meinte das nicht bös, aber ab und an waren er und die Realität nicht die dicksten Freunde – so schätzte er mein Alter auf 20 ein – knapp daneben 😉

Die Zeit war schon arg vorangeschritten, es wurde dunkel – nix, wie heim! Die Berge auf der Landstraße nahm ich teilweise im 2. Gang. Wenn man keinen Schwung nehmen kann, wirds dunkel in Deutschland…

Auf den Weg noch mal zum Mäkkes, Mittagessen war lang her und bis zum Döner in Mainz wars noch weit. Waren doch so 150km Strecke einfach. Auf der Autobahn gings zügig, auch wenn die LKWs, die einen den Berg hoch überholen, schon etwas depremieren. Direkt an die Halle gefahren, Hänger rein, Klappe zu, Affe tot. Rest des Abendprogramms bestand in einen Döner essen gehen, Monsti noch zu seinem Gespann fahren, heim und tot umfallen. Einschlag in meine Wohnung gegen halb zwei.

6 thoughts on “Beschaffungstour de Luxe

  1. halb 2??? Boah hattest du es gut… Der Omega hat auf dem Rückweg wieder gut die Piste vernebelt, den Hänger noch vor die Halle gebracht… um 3.30 lag ich dan auch mal im Bett…. wann wollte ich in Hagen sein? um 8?? Druff geschissen, ausgeschlafen…. um 12 sind wir in Hagen eingedrudelt… Wetter war eh nich prickelnd aber gut wars trotzdem!!

  2. Alle Achtung, sieht nach ner extrem erfolgreichen Kaperfahrt aus. Das TS-Lenkrad ist sicher über, ist es nicht? ;o)

    Frohes Einsortieren, wünscht Urs

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