Tuning – heute wirklich nichts mehr möglich?

Ganz klar. So, wie ich schraube, gibt es wirklich sehr wenige da draußen. Klar, ich habe da völlig ein Rad ab und nicht jeder hat die Möglichkeiten und nicht jeder findet das gut, was ich da zusammenbrate. Und das muss ja auch nicht jeder. Ich mach das ja für mich. Es gibt wahrscheinlich auch viele unter den Bloglesern, die mit einigen meiner Autos nur mit Tüte über dem Kopf herumfahren würden, aber den Weg dahin ganz spannend finden.

Ich hatte letzthin einmal wieder eine schöne Diskussion auf Facebook – ja, ich werde alt 😉

Entbrannt ist die Diskussion an einem schwedischen VW Golf 1 Top Chop aus den 80ern.

Klar. So ein Auto spaltet die Geschmäcker. Aber das ist ein wunderbarer Zeitzeuge und auch für die 80er sehr extrem. Er wurde in Schweden gebaut, ob der damals den deutschen TÜV geschafft hätte, lassen wir einfach einmal dahingestellt. Dazu müsste man wissen, was verstärkt wurde etc. – so genau ins Detail will ich gar nicht gehen.

Natürlich darf man den richtig scheiße finden – genau wie meine Schöpfungen. Geschmack kann man niemanden vorschreiben. Gibt ja auch Leute, die sich einen Nissan Juke gekauft haben, den ich nur mit Tüte über den Kopf fahren würde.

Ich kommentierte den Wagen, dass ich das gut finde und vor allem, dass das noch Eier hatte, einmal die Flex und das Schweißgerät zu nehmen und etwas Besonderes zu bauen und dass es so etwas kaum mehr gibt. Und dann ging es los: Jaaaaa, heute geht so etwas nicht mehr. Heute ist ja nichts mehr erlaubt und die böse Polizei kontrolliert ja ständig und zweifelt Eintragungen an.

Zerlegen wir einmal diese Aussage. Ist heute wirklich nichts mehr möglich? Fakt ist, dass je älter ein Auto ist, mehr zulässig ist und das Umbauten vereinfacht. Dabei geht es um Crashverhalten, Abgasnormen, Airbag, aber auch so Kinkerlitzchen wie Leuchtweitenregulierung etc. Und da mache ich es mir zugegebener Weise auch etwas leicht, mein jüngstes Auto ist EZ 1990, was fucking 34 Jahre alt ist. Eben aus diesem Grund. Ich habe aber auch keinen Bock auf Elektronik etc.

Aber auf der anderen Seite bietet der Zubehörmarkt Dinge, von denen wir in den 90ern nur träumen konnten, wie beispielsweise Klappenauspuffanlagen mit ECE Zulassung. Problem ist nur: Die wenigsten Anlagen haben diese Zulassung. Verbaut werden sie trotzdem. Und dann ist es nicht die Einsicht: Ja doof gelaufen, ich habe etwas Illegales verbaut, ich wurde erwischt. Nein: Die doofe Polizei, der doofe TÜV. Die haben uns Tuner alle auf dem Kicker. Diese Einstellung ist von Grund auf verkehrt in meiner Sicht. Wer noch nie etwas Illegales verbaut hat als Fahrzeugfreak werfe den ersten Stein. Nehme ich mich nicht aus. Ob alles sooo sauber war, was ich in meiner Vergangenheit gebaut habe, kann man drüber streiten. Manches auch aus Unwissenheit. Wusstet Ihr beispielsweise, dass die ABE eines Sportlenkrads nur dann reicht mitzuführen ohne Eintragung, wenn das Fahrzeug die Serienbereifung und das Serienfahrwerk hat und ansonsten einzutragen ist?

Aber Karosserieänderungen, wenn man Vorschriften beachtet, sehe ich auch heute auch bei moderneren Fahrzeugen, nicht als das große Problem an. Mit dem TÜV reden, was man vorhat und gut zuhören, unter welchen Voraussetzungen er es eintragen würde und los geht´s! Das Problem damit ist wohl eher, dass es einfach aus der Mode gekommen ist, die Karosserie selbst zu verändern. Nicht, dass es inzwischen nicht mehr möglich ist.

Ich wundere mich immer wieder über so Dinge, dass wie selbstverständlich beispielsweise dreiteilige Felgen gebaut mit den Sternen von einteiligen Felgen vertrieben werden. Ja, die sehen teilweise wirklich sehr sehr geil aus. Und wahrscheinlich sind die genauso stabil wie “normale” Dreiteiler. Solche Trends werden dann auch gepusht durch Social Media, wo so etwas gehypt wird. Was viel Likes hat ist eben cool, aber eben trotzdem nicht im Ansatz legal. Sie sind eben nicht getestet und keiner will einen Unfall haben, wenn sie bricht. Ein Prüfer kann das nicht prognostizieren und wird sie deshalb auch nicht eintragen. Tut er es trotzdem, kann er seinen Job loswerden. Für mich vollkommen nachvollziehbar. Und dann ist es wieder der scheiß Prüfer, der das nicht einträgt oder die Idioten von der Rennleitung, die das Fahrzeug am Ende stilllegen.

Ich kann nur dazu aufrufen ruhig das Auto zu individualisieren, aber eben im gesetzlichen Rahmen. Seht den TÜV nicht als Feind, sondern arbeitet im Team mit ihm. Und wenn etwas nicht geht, dann geht es eben nicht. Das ist ja die Challenge: Etwas zu bauen, was die Polizei nicht anzweifeln kann, weil es sauber eingetragen ist. Es muss ja nicht so extrem sein, wie ich es treibe. Es ist ja inzwischen fast Mode, einfach zu bauen und nichts einzutragen, wird schon gutgehen. Und dann ist es auch kein Wunder, dass Sonderkommissionen aus dem Boden sprießen, die das alles kontrollieren. Wer dann erwischt wird – sorry, aber selber schuld…

13 thoughts on “Tuning – heute wirklich nichts mehr möglich?

  1. Problematisch ist schon, dass sich die Büttel aufspielen und eine Nachbegutachtung (trotz Eintragung) durchsetzen. Es gibt dann keine Gutachter, die gegen die Büttel urteilen und die früher dagewesene Eintragung bestätigen. Da gibt es einige auch prominente Fälle.

    Anderes ärgerliches Thema ist das H-Gutachten. Ich habe mit meinem Audi Typ 44 alle 2 Jahre scheiß Diskussionen wegen schrumpeliger Dichtungen (die nicht mehr erhältlich sind), obwohl guter Erstlack, kein Rost und extra keine Umbauten. Er hat halt über 300 Tkm und ist den Graukitteln ein Dorn im Auge. Dann sehe ich Deinen Pirat, der auch H hat…

    Im Allgemeinen sehe ich das Büttelproblem bei neueren Poser-Fahrzeugen mit Schubknallen, etremen Tieferlegungen und merkwürdigem Tirestrech. Das trifft die Älteren eher weniger. So ein 80er Schult-Umbau wird heute eher bewundert.

    1. Ein vernünftiger Gutachter bestätigt die Eintragungen. Der SOLLTE mehr Fachwissen haben als die Polizei. Aber Theorie und Praxis…

  2. Toller Beitrag, KLE!

    Ich stimme dir bezüglich TÜV zu 100% zu.

    Nur den Teil bezüglich unserer Ordnungshüter sehe ich anders.
    Die Polizei lässt leider gar zu oft Willkür walten. Zu oft werden zu Lasten (kosten!) des Fahrzeughalters Autos aufgrund des Ergebnisses einer Kontrolle dem TÜV vorgeführt, der dann geringe oder keine Mängel beurkundet. Aber die Kosten bleiben beim Halter und die Polizei sagt nur “uuups, kann ja mal passieren”.
    Und dann in unserm Land Recht und das Geld zurück bekommen ist kein Spaß.
    Ja, ich bin auch ein Fan bestmöglicher Legalität meiner Autos durch Eintragungen und ich spreche auch gern vorher mit dem TÜV.
    Aber gegen die Rennleitung und deren Quotenvorgaben bei Großaktionen nutzt das wenig.
    Ich kann Fallbeispiele aus dem unmittelbaren Umfeld benennen, wo ungerechtfertigt stillgelegt wurde und der Prozess un die Rückerstattung der Kosten noch lange dauern wird…

    1. ok. Da gebe ich Dir natürlich Recht. Es gibt auch auf Polizeiseite wirklich schwarze Schafe, die übereifrig und fachunkundig handeln. Und dann hat man ungerechtfertigt Scheiße am Hacken. Das sollte in einem Rechtsstaat einfach nicht passieren. Wenn ungerechtfertigt zur Überprüfung geschickt, sollte man definitiv keine Kosten haben, auch nicht vorstrecken müssen. Man hat ja keinen Fehler gemacht. Und vorgegebene Quoten sind aus meiner Sicht der letzte Blödsinn. Entweder es ist legal oder nicht, ob man jemanden erwischt, der illegal umgebaut ist, ist eher Zufall und keine statistische Genauigkeit. Gibt eben Tage, da ist bei einer Kontolle kein schwarzes Schaf dabei, erkennt man nicht immer auf den ersten Blick.

  3. Geschmäcker sind nun mal verschieden, das betrifft ja nicht nur Autos. Und das ist auch gut so! Dein Blog ist der einzige, den ich schon seit einigen Jahren regelmäßig lese. Ich finde dich und deine Projekte einfach großartig. Auch im TV warst du mir sofort sympathisch, was nicht oft vor kommt. 😉 Mach bitte weiter so.
    Zum Thema TÜV und Polizei möchte ich mich jetzt lieber nicht äußern….. 😣

  4. Also erstmal, ich würde jedes deiner Autos fahren. Ich Feier die einfach!
    Haben mich auch selbst schon zu ein paar Ideen angeregt.
    Ich selbst arbeite immer mit dem TÜV zusammen. Wenn ich wieder eine Idee habe, spreche ich das mit dem TÜV durch wie wir das legal hinbekommen.
    Ich selbst fahre einen Omega B2.
    Auch der ist tiefer geworden und die Räder vernünftig gestellt. Teilweise eine calibra hinterachse verbaut. Lenkrad vom Opel sintra verbaut… Wurde alles abgenommen. Natürlich in Verbindung.
    Selbst eine Unterboden Beleuchtung ist möglich legal zu verbauen! In meinem Fall ist es so, das der Stromkreis dafür nur geht wenn die Motorhalter offen ist… Alles mit TÜV besprochen.
    Im Moment baue ich ein halbes Auto Anhänger… Alles in Zusammenarbeit mit dem TÜV.

    Vieles ist möglich, aber die Jugend heute baut illegal und wundert sich dann.

    P.s. zu dem Golf, es gab mal einen sehr ähnlichen Manta in Deutschland mit testarossa Breitbau und Flügeltüren. Der hatte glaube ich 5 Seiten Fahrzeugschein

  5. Ich kann deinem Beitrag nur zustimmen.
    Mein Sommerwagen ist ein Polizeimagnet, weshalb ich auch darauf achte, dass alles eingetragen ist oder eine ABE hat, was ich verändere.
    Und zum Juke: Den Rest des Jahres fahre ich so einen und ja er sieht schlimm aus, aber Geschmäcker gehen nun einmal auseinander.
    Liebe Grüße

  6. Beim Nissan Juke denke ich immer der Name ist eine Kombination aus den Worten Joke und Puke. Was aufgrund der Optik einfach passend wäre.

  7. Hallo zusammen,
    was waren das noch für Zeiten ende der 90er / Anfang 2000. Sachen gekauft, zum TÜV gefahren und eintragen lassen. Fertig. Der TÜV Prüfer hat entschieden ob es geht oder nicht. Heutzutage entscheidet (besonders in Hessen) die Bürokratiestelle (Bündelungsbehörde).
    Der gewillte TÜV Prüfer möchte nichts mehr eintragen weil Kollege Bürokrat sich über das abgeschlossene Studium hinwegsetzen kann.
    Weiterhin kommt dazu, dass heute alles dem Fußgängerschutz unterzuordnen hat (was ja auch berechtigt sein soll). Rammbügel gibt es nicht mehr!! Früher waren die Autos viel lauter als heute aber GEN z wird so auf dem Zebrastreifen beim Lactosefreienhafercappucinotrinken gestört.

    Ich war heute beim TÜV. VW T3 VR6 Umbau. Es ist seit 20 Jahre alles eingetragen. Ich möchte aber andere Felgen eintragen und evtl. H-Kennzeichen. Bauche aber auch normalen TÜV. H nicht möglich weil ca. 6 cm Kantenrost vorhanden sind, mit dem Motorumbau es so eine Sache ist und überhaupt. Der Mann war wirklich bemüht aber ich denke er hat einfach keine Lust sich vor jemanden rechtfertigen zu müssen.
    Ende vom Lied kein TÜV aber mit evtl. Aussicht wenn alle Gutachten vorliegen.
    Fahrwerk (eingetragen, aber mit Kombination Felgen)
    Felgen (ist klar)
    Spurplatten (geht nicht, weil sich die Spurweite zu stark verändert)

    So macht das Umbauen auch weniger Spaß. Das wurde früher alles eingetragen ohne größere Probleme

  8. Ich habe vor knapp 5 Jahren einen Motorrrad Vollumbau ganz ordentlich beim TÜV abnehmen lassen. Wenn der Prüfer sich darauf einlässt ist einiges Möglich. Das Bike ist Baujahr 1979 und nun habe ich einen engetragenen offenen Ansaugtrichter auf größerem Vergaser, andere Bremsen usw. War aber auch das volle Programm mit Fahrgeräuschmessung, Leistungsmessung (nun wahnsinnige 37,5 PS 😉 ), Bremskraftmessung usw.
    Es geht also immer noch einiges wenn man vernünftig vorbereitet ist.

  9. Ich wollte bei meinem Twizy die Reifen von vorn 125, hinten 145 auf gängigere 145 und 165 ändern. Das ist bei den Ts die Reifengröße, die gerne verbaut und eingetragen wird, weil das auf die originalen Felgen und Radabdeckungen passt.

    Eine Mail an den TÜV Hessen geschrieben, weil der TÜV in Darmstadt immer ein Gutachten von Renault haben wollte. In der Mail zählte ich alle technischen Daten auf, inklusive Radumfang und Tachoabweichung (0,1 %).

    Antwort nach zwei Wochen: Nach Absprache mit der für sie zuständigen TÜV-Niederlassung in Darmstadt … ja leckt mich doch am Arsch! Im Forum nachgefragt. Da hiess es, der TÜV Hessen hätte vor einigen Jahren einen Korruptionsskandal gehabt, der deutlich über den Geldschein am Auspuff hinausging und die seither eher “schwierig” sind.

    Die identische Mail an die DEKRA geschrieben, Antwort nach zwei STUNDEN: Wenn die Reifen unter die Radabdeckungen passen, steht einer Eintragung nichts im Wege.

    Natürlich musste alles noch nach Marburg geschickt werden, aber die haben es auch durchgewunken. Fahren ja schon genug mit den Reifen umher.

    Man darf die TÜVs nicht miteinander vergleichen. Die in Aschaffenburg (Bayern) hatten richtig Bock Sachen einzutragen. In Alzenau waren sich die PIs hingegen uneinig, was ich als Kunde eher irritierend finde.

    Es ist halt, wie es ist.

  10. BTW: Du hattest mich mal im 32BQP mitgenommen und ich habe jeden Meter genossen. Vor allem die angeekelten Blicke der Typen im weißen BMW neben uns an der Ampel adelten den Passat.

    Gibt selten Momente, die mir ähnlich in Erinnerung geblieben sind. Letzten Winter, als der Schnee quer durch meinen Twizy wehte, ich die Leute im beheizten SUV an der Kreuzung gegenüber sah und um kein Geld der Welt mit denen tauschen wollte.

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